Mit einem Abstecher nach Quedlinburg und der Teufelsmauer, einer sehr schönen historischen Stadt mit vielen Fachwerkhäusern, fahren wir in den Harz. Das Okertal wird als eins der besten Klettergebiete Deutschlands beschrieben. Das Wetter ist mässig und uns wird entgegen unserer Hoffnung nur ein Tag zum Klettern gegönnt. Wir finden kleine Kletterfelsen am Fluss entlang verteilt. Bohrhaken gibt es wenige, doch mit Friends und Keilen lässt es sich in dem Granit sehr gut selbst absichern. Beim Anblick der vielen Risse, ärgert sich Basho über das Zurücklassen der Risshandschuhe, doch ich bin mir sicher dass wir hier nicht sehr lange klettern können. Der Fels ist so rau, dass die Haut innert kürzester Zeit schmerzhaft sein wird, Risshandschuhe hin oder her. Am nächsten Tag entscheiden wir uns aufgrund der Kälte und Nässe für einen Spaziergang dem Fluss entlang bis zum Stausee. Zwei mal am Tag wird hier Wasser abgelassen und der Wasserspiegel im Fluss steigt dadurch so fest, dass sich zu diesen Zeiten einige Kajakfahrer durch Stromschnellen kämpfen, an Orten wo vorher noch kein Wasser war. Das Okertal ist auf jeden Fall sportlich – hierher kommt man zum klettern, Kajak fahren oder wandern. Landschaftlich gäbe es ganz schön viel her, wenn da nicht dieser konstante Strassenlärm wäre, der uns schwer an Schweizer Pässe erinnert… aber irgendwie müssen all die Leute ja ins Tal kommen.









Die Teufelsmauer ist eine ca. 20km lange natürliche Mauer aus Sandsteinen, die durch Plattentektonik entstand (unsere Vermutung) und durch Gletschereinflüsse nicht mehr über die ganze Länge als Mauer ersichtlich ist. Eindrücklich ist sie trotzdem. Früher konnte man da auch dran klettern, jetzt wurde sie unter Naturschutz gestellt und ist somit verboten.






Das Ith-Gebirge liegt etwa 60km weiter in Richtung Nordwesten. Nach einem Klettertag im Wald, mit Parkplatz im Wald wollen wir mehr Sonne. So wechseln wir auf einem Parkplatz inmitten von Feldern, nahe an der Hügelkette des Iths. Am nächsten Morgen ist es kühl, denn die Sonne will und will nicht kommen. So entscheiden wir uns das Klettergebiet erst mal ohne Material zu besuchen. Zugegebenermassen habe ich die Distanzen nicht genau studiert und den Zustieg total verschätzt. Einige Stunden wandern wir durch einen schönen Wald voller Bärlauch, finden auch Felsen, aber nicht viel Lohnenswertes zum klettern. Dafür bestaunen wir den „Wasserbaum“ und geniessen am Nachmittag dann doch noch die Sonne.







Der Ith ist das wohl populärste Klettergebiet in Norddeutschland, also fahren wir am nächsten Morgen etwa. 10 km weiter und versuchen unser Glück erneut. Diesmal werden wir fündig.
Hohe Felstürme aus Kalkstein stehen auf einer Höhe im Wald verteilt. Der Fels bietet guten Kontrast zum Harz: weniger Rissen und mehr Löchern, glatter Stein anstelle der rauen Oberfläche vom Granit. Hier sind Schlingen zum Bau von Sanduhren wertvoll, denn was die Gebiete gemeinsam haben; auch hier wird vorwiegend traditionell geklettert und selbst abgesichert.






Wir sind überrascht dass sich so nah aufeinander so viele verschiedene Gesteinsarten finden. Weitere ca. 20Km in Richtung Nordwesten findet sich das nördlichste „Gebirge“ Deutschlands (bis 330m hoch). Im Wesergebirge besuchen wir die Felsen des Hohensteins. Hier finden wir weder Granit noch den Löcherkalk vom Ith, sondern zweierlei Gestein. Die bis zu 50m langen Routen beginnen meist in sehr brüchigem Jurakalk und werden weiter oben durch einen deutlich festeren Sandstein der Kreidezeit abgelöst. Die schlechte Felsqualität im unteren Bereich und die fehlenden Bohrhaken in manchen Routen machen die Kletterei hier zu einem alpinen Erlebnis. 40 Meter über dem Boden findet sich dann ein fantastischer Ausblick über die Wälder, viel Sonne und überraschte Grüsse von Wanderern, die vom Wanderweg herkommend den Ausblick von oberhalb der steilen Klippen geniessen. Mit der Idee den Tag oberhalb der Felswände zu beenden, führt unsere letzte Route durch den „Fischerkamin“ – traditionelle Kletterei im 3-4ten Grad. Basho im Vorstieg und ich mit dem Gepäck im Nachstieg. Mit dem grossen Rucksack wird die einfache Route durch den Kamin gleich zu einem kleinen Kampf, aber es lohnt sich die Szenerie oben ist wirklich fantastisch!







Und sonst so….
in den letzten Tagen und Wochen hatten wir teils intensive Gespräche über unseren weiteren Reiseverlauf. Da Norwegen seine Grenzen leider nicht in absehbarer Zeit öffnen möchte, brauchen wir eine Alternative. Schlussendlich buchen wir eine Fähre nach Schweden. 3 Tage bleiben noch bis dahin.
In Bad Oeynhausen stoppen wir kurz um die Abteilung Sportrollstühle der Firma Otto Bock zu besichtigen, wo mein Vater ein Projekt betreut. Danach fahren wir nach Hamburg. Wir haben festgestellt, dass es in Hamburg keine Umweltzone gibt und wir mit dem Camper ungehindert in die Stadt fahren dürfen. Da war es naheliegend Max, Basho’s Cousin, und Vera zu besuchen. Mit Max’s Tipps wanderte ich meine Füsse in Hamburg platt, während Basho am arbeiten war. Zum Glück kennt er die Stadt schon, ansonsten müsste ich ihn fast bemitleiden. Wenn ich je vorhätte in Deutschland zu leben, wäre es vielleicht Hamburg. Ich habe mich auf meiner Rundtour in Zürich am Zürichsee (am Alsterbecken), in Bern an der Aare (auf der Alster fahren viele mit dem Kanu, Gummiboot oder SUP) und am Meer (mit grossen Schiffen am Tidehafen) wiedergefunden, sowie weiteren sehr interessanten Orten wie etwa der Speicherstadt oder der Parkanlage „Planten un Blomen“.
Mit Max und Vera gehen wir israelisch Essen (die Aussenterrassen sind wieder geöffnet!) spazieren mit ihrem Hund Lotte und erzählen uns Geschichten von vergangenen Ferienmomenten und ihrer bevorstehender Hochzeit. Die Zeit in Hamburg vergeht schnell. Wenn wir nicht auf die Fähre müssten, wäre ich wohl noch einen Tag länger geblieben um mit ihrem SUPs auf der Alster zu schippern…











Hey danke weder mou för dä Feriebiitrag, i lese si nach wie vor mega gärn ond wönsche öich förd Witerreis aues Gueti!
Liebs Grüessli us de Schwiz
Iisbär
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