Heute schreibe ich mal wieder. Weil die Sächsiche Schweiz ein wenig eins meiner Highlights der letzten Zeit ist. Um ehrlich zu sein, hat mich meine ehemalige Heimat doch überrascht. Okay, meistens könnte man auf einen Kirchturm oder Baum kraxeln und würde alles ringums überblicken, also flach ist es schon. Aber zum Klettern und draussen unterwegs sein, mit dem Velo oder zu Fuss gibt es schon schöne Ecken. Ihr erinnert euch an Cécile’s Blogeintrag über Halle? Halle ist nicht nur grau und am verfallen. Wir haben eine unglaublich charmante und schöne Seite von Halle kennen gelernt. Eine schöne Entdeckung.
Vor der sächsischen Schweiz hatte ich vorher schon Respekt. Wieso? Naja, ihr kennt ja wahrscheinlich entsprechende Medienechos über Pirna und so. Ausserdem, als Kletterer von Ausserhalb (der sächsischen Schweiz) kennt mensch eher Geschichten von schlechter Absicherung, bröseligem Fels, althergebrachter Ethik die nur für Wenige inspirierend, ansonsten oft bremsend ist. Die haben da sehr soziale Begehungsmethoden (menschliche Pyramiden), wilde Begehungsmethoden (Springen von einem Turm zum Anderen) und strikte Kletterregeln (kein Chalk, keine Friends, keine Keile, …).

Aber alle die wir getroffen haben, haben unseren Floh im Ohr (ich war mir vorher schon sicher: zumindest vorbeischauen müssen wir, und wenn wir nur wandern weil wir uns zu sehr fürchten 😉 ) aufgebaut. Also sind wir am schönsten Tag durch Rapsfelder an Dresden vorbei ins Bielatal gefahren. Mein Papa, Jan, hatte uns den Tip gegeben.




Am ersten Nachmittag erkunden wir die Gegend nur per Pedes und treffen statt eigenbrötlerischer sächsischer Kletterer freundliche, aufgeschlossene Sachsen die auch für Tipps aufgeschlossen sind oder gerne Tipps geben. Natürlich können wir nicht viel mehr Hinweise geben als, ja 4 Meter vor dir, hinter der Ecke ist mal wieder ein Ring. Natürlich ohne wirkliche Ahnung. Selber tun wir uns auch ein wenig schwer: Ringe oder Haken die den Weg weisen sind rar und wir haben keine echte Topo.




So pilgern wir von wilden Felsformation zu Türmen und weiter durch ein romantisches Tal. Wirklich unglaublich schön. Und wir bekommen Lust zum Klettern und freuen uns auf den nächsten Tag. Einzig übernachten tun wir nicht wie üblich in der sächsischen Schweiz in einer Boofe sondern ganz luxeriös in unseren rollenden 4 Wänden.

Am nächsten Morgen bereiten wir uns ausgiebig vor: wir basteln einen Satz mobiler Sicherungsgeräte, da ausser Stoff, Schlingen, Schnur und Seil nix weiter erlaubt ist und die Ringe zum Sichern sehr sehr spärlich sind. So ausgerüstet erkunden wir ein paar Türme und klettern ein paar lässige Routen. Bis uns das wechselhafte Wetter mal wieder eine Abwechslung in Form von einem Wolkenbruch gönnt. So entscheiden wir die Turmgruppe zu wechseln und ziehen weiter. Wir merken wie zeitaufwändig das Ganze ist, aber es macht Spass. Wir entscheiden oft sehr defensiv, da wir kaum Erfahrung im Sandstein mit traditionellem Klettern haben. Am Ende können wir uns doch in die Gipfelbücher von ein paar hübschen Türmchen eintragen. Mir bleiben fantastische Routen und Möglichkeiten, viel Gripp und noch mehr Lust auf mehr sächsischen Sandstein.

Den Tag runden wir mit einem kurzen Spaziergang ab, der zur Wanderung an die Grenzplatte der tschechisch-deutschen Grenze ausartet.






Am nächsten Tag wechseln wir in den Nationalpark um uns die volle Ladung sächsiche Schweiz zu holen: wir besichtigen ein paar Highlights auf dem Weg von Rathen über die Bastei durch die verwunschenen Schwedenlöcher zurück. Es ist ein malerisches Gebiet: wilde Felsen die nur so zum Klettern rufen, romantische Bögen der Elbe, schierer Dschungel oder verwunschene Schluchten. Wir geniessen den Tag und erklimmen zum Schluss doch noch einen kleinen Turm zum Abschluss.

Auf der Fahrt zurück zu meinen Eltern holt uns das Wetter ein: Wolkenbrüche als gäbe es kein Morgen. Und dank meinen Eltern können wir nach einem langen Tag ohne Vorbereitung einfach an den Abendessentisch hocken und es geniessen.















Ein paar Tage später runden wir dann unseren Besuch in Sachsen wieder mit den Hohburger Bergen ab, wo wir fast norwegisches Flair mit Fels am Wasser finden, weitere sehr schöne Routen, vor allem mit tollen Rissen, und ein Frosch-Quak-Konzert im Biotop. Nach dem Grillen am Abend und einem Abstecher bei Freunden im Nachbarort geht es los, Richtung Norden, in den Harz (immer in der Hoffnung, dass Norwegen seine Grenzen, zumindest für uns öffnet)…



