Eindrücke von Schweden

Nach drei Tagen bouldern ist die Haut an den Fingern angegriffen, die Muskeln müde und das Mückenspray leer. Zeit zum Weiterziehen. Einen Stopp für Abwasser entleeren, WC entleeren und Frischwasser füllen, einen Stopp zum Einkaufen – für den Mückenspray müssen wir etwas suchen, finden es dann aber in der Gartenabteilung – und dann Fahrt Richtung Westen.

Unser nächstes Ziel für zwei Arbeitstage ist ein Stellplatz in der Nähe von Perstorp, auf dem Weg Richtung Westen. Die Nacht auf den Mittwoch verbringen wir noch (wild) auf einem hübschen Platz neben einem See. Unsere anfängliche Begeisterung über den perfekten Ort schwindet bald, als eine grosse Gruppe jugendlicher Migranten ankommt und sich zu „krasser“ Musik und wildem Geschrei bald eine Schlammschlacht (nasser Sand) liefert, die auch die vorhandene Trockentoilette nicht verschont. Als sie dann bei Sonnenuntergang (ca. 22 Uhr) abziehen atmen wir auf. Nachdem wir ihren Müll beseitigt haben können wir den Abend endlich geniessen… das dachten wir zumindest. Plötzlich werden wir von vielen Stimmen aus dem Schlaf gerissen. Was ist los? Eine noch viel grössere Gruppe junger Erwachsener versammelt sich im Kreis und schwatzen was das Zeug hält – es ist ca. 01:30. Sie bleiben etwa eine halbe Stunde. Während ich nach ihrem Abgang schnell wieder einschlafe, bleibt Basho noch bis zum Sonnenaufgang um 03:30 wach bevor auch er dann endlich Ruhe findet.

Auf dem Stellplatz haben wir dann jedoch die Ruhe Deluxe. Für 50 Kronen pro Tag (etwa 5 Euro) gibt es eine grosse Rasenfläche für uns allein wo wir das Abwasser gleich darauf ablassen sollen und beliebig viel Trinkwasser – dies sei in Schweden gratis erklärt uns der Besitzer. Hier schlafen wir seit langem wieder das erste Mal in unserem Dachzelt – der Sommer ist da!

Das Dorf besteht aus ein paar Häusern und einer Kirche mit grossem Friedhof. Nicht viel zu sehen also, dementsprechend sind wir motiviert zum nach den Arbeitstagen weiterzuziehen, auf nach Kullaberg!

Hier noch ein paar Eindrücke von Schweden:

Einkauf:
– hier gibt es 1kg Käse für ca. 8 Euro! Auch günstig sind Nüsse, Kernen und Chips. Ansonsten sind die Preise mit der Schweiz vergleichbar.
– In normalen Einkaufsläden gibt es keinen Alkohol zu kaufen, dafür Alkoholflaschen wo zu nur einem viertel gefüllt sind – mit dem Geschmacksstoff. Daneben eine komplette Ausrüstung um selbst Schnaps zu brennen.
– Joghurt kommt für uns unüblich aber praktisch in einer 1 l Tetrapackung
– Energiedrinks scheinen beliebt zu sein, es gibt sie in 100 verschiedenen Varianten

Verkehr:
– Die Geschwindigkeiten (40, 70, 120) sind nach Deutschland gleich sehr niedrig – wir sind mit dem Camper ganz vorne mit dabei!
– Schweden scheinen insgesamt nicht die versiertesten Autofahrer im Bezug auf den Platzbedarf zu sein, wir haben einige Situationen erlebt, wo Autos auf einem leeren Parkplatz in 5 Zügen eingeparkt wurden oder auf der Strasse mit einem Blick auf uns fast in die Wiese gefahren wurde um (viel zu viel) Platz zu machen.

Outdoor:
– An die Dunkel-Hell-Zeiten muss man sich gewöhnen, man tut gut daran alles schön abzudunkeln.
– Auf Überlandfahrten sehen wir eher beruhigende Landschaften, keine Berge, wenig Dörfer, viel leere Fläche. Dafür entdecken wir zu Fuss sehr schöne Orte!
– In Wäldern herrschen die Mücken und Zecken
– An den Küstenregionen kann es ganz schön winden und auch bei sonnigem Wetter kühl bleiben

Covid19:
Bis jetzt haben wir hier nicht viel von Covid bemerkt. Masken werden so gut wie nie getragen, selbst in Einkaufsläden sieht man sie kaum. Es treffen sich auch grössere Gruppen (im Freien). Restaurants scheinen (unter Auflagen?) offen zu sein.

Und sonst so:
– Ich dachte immer Schweizer seien „bünzlig“, aber im Vergleich zu Schweden würde ich das nicht mehr sagen. Jeder Rasen ist perfekt getrimmt, gegossen und die Hecken geschnitten. Einzig die Briefkästen haben etwas Charakter – jeder ist individuell, oft in einer langen Reihe nebeneinandergestellt.
– Campingplätze sind echt teuer! Für einen Stellplatz (Parkplatz mit Entsorgungsstation, Frischwasser und evtl. Toilette) bezahlt man meist 200kr (ca. 20 Euro). Für eine Nacht auf dem Camping zwischen 300 und 500kr!
– Geschrieben verstehen wir von Schwedisch relativ viel, gesprochen keine Chance!

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