Stockholm
Nach der Zeit bei Steffen fahren wir weiter Richtung Stockholm. Unterwegs besuchen wir den Klettergarten Simonsberget südlich von Nyköpping. Der wird als Yosemite von Schweden gehandelt. In der Tat finden wir dort schöne Routen in sehr rauem Granit. Einen Stern Abzug geben wir für die fehlenden, oder schlecht gesetzten Stände. Hier wir Trad geklettert und oben an einem selbst-gebauten Stand ausgestiegen um dann den 30 m Höhenunterschied seitlich abzusteigen. Das bedeutet einen hohen Zeitaufwand für wenig Kletterei. Dafür gibt es wie so oft in Schweden eine Trockentoilette und sogar schöne Feuerstellen.


In Stockholm treffen wir Anna-Tina, eine Freundin von mir aus der Schulzeit. Ich habe sie das letzte Mal vor 6 Jahren getroffen, kurz bevor sie der Liebe wegen nach Stockholm gezogen ist. Mittlerweile ist sie mit Henrik verheiratet und Mutter von Moira und Efraim (ca. 3J. und 11M.). Wir verbringen Bashos Arbeitstage bei Ihnen. Während er arbeitet, gehe ich mit Anna-Tina und den Kindern in den Garten zum Pflanzen giessen und leckere Beeren pflücken, auf den Spielplatz zum spielen oder helfe ein bisschen beim Kochen und Küche aufräumen. Was sich erstmal nach wenig Programm anhört, wird mit den Kindern plötzlich tagesfüllend. Moira spricht ein lustiges Gemisch aus Schwedisch, Schweizerdeutsch und Kindersprache, was die Kommunikation mit uns teilweise etwas erschwert, doch das hindert sie nicht uns bald ins Herz zu schliessen. Sie hilft Basho beim Arbeiten und als das Glacé-Auto unten im Hof seine Melodie spielt springt sie vom Stuhl auf, nimmt Basho an der Hand und zieht ihn zur Tür um ein Eis kaufen zu gehen. Ich lerne mit ihr das Laufrad-fahren und sie bringt mir alles was sie unterwegs findet, wie zB. Kirschsteine, Federn und Schneckenhäuser.
Anna-Tinna zeigt uns das traditionelle Frühstück der Schweden. Haferbrei mit einem Klecks Konfitüre drauf, wahlweise mit verschiedenen Kernen verfeinert, umgeben von einem See aus Milch. Ich mache gleich den Fehler und mische alles zusammen. Sie erklärt mir, dass die Schweden nichts dazu sagen würden – sie sind sehr diskret und konfliktscheu – aber das so falsch ist, wie Spaghetti zu verschneiden. „Gröt“ wird nicht gemischt, sondern Löffel um Löffel die richtige Zusammensetzung gehäuft. Auch zum Nachtessen lernen wir neue Gerichte kennen. Weniger schwedisch, doch super einfach und lecker zu machen sind uns „Sommerrollen“ bisher nur von Marktständen bekannt gewesen. So wird Stockholm zu einer kulinarischen Weiterbildung.
Die Gespräche mit Anna-Tina werden durch die Ablenkung der Kinder etwas weniger intensiv, doch wir geniessen die Zeit zusammen.

Am Freitag gehen Basho und ich die Stadt besuchen. Mit einem Ticket für 160Kr kann eine Person 24h sämtliche Verkehrsmittel in Stockholm benutzen. Wir finden es eher teuer und nutzen es dafür um so mehr aus.
Wir spazieren vorbei an verschiedenen Kirchen, Palästen und anderen sehenswerten Gebäuden, schönen Gassen mit kleinen Läden und typisch schwedisch gepflegten Pärken. Eines der schönsten Gebäude ist sicherlich das Rathaus. Die hohen roten Ziegelsteinmauern, der grosse Innenhof und vor allem die Lage machen es zu einem Top Spot¨!







In Stockholm gibt es viel Wasser, dass die Stadt in jede Menge Halb-Inseln teilt. Überall ankern Schiffe und Fähren sind so normal wie Busse. Das gibt der Stadt ein ganz besonderes Flair. Tatsächlich haben wir noch nie so viele schöne alte Schiffe gesehen wie hier. Ein altes Eisbrecher-Schiff konnten wir auch besichtigen – damit der Schiffverkehr in der Stadt auch im Winter funktioniert, braucht es den Einsatz von Eisbrechern. Wir sind beeindruckt von der grossen Anzahl an Museen, die manchmal gratis besucht werden können. Kurz nach dem Mittag, als die Sonne besonders warm macht, flüchten wir in eines dieser (klimatisierten) Museen und schauen uns das Stockholm im Mittelalter an. Da erfahren wir dass es einen König gab, der nach einem 3tägigen Bankett zu Ehren der Eroberung Stockholms, mit vielen geladenen Staatsleuten, alle Teilnehmer köpfen liess, bevor er weiter durchs Land zog um noch mehr einflussreiche Personen aus dem Weg zu räumen.


















Wir besichtigen auch eine besonders kleine Insel auf der nur eine Burg und eine Hand voll Häuser aus der Zeit der Weltkriege stehen. Wie für uns privat arrangiert, malen zwei Flugzeuge ein Herz in den Himmel, exakt zwischen der Burg und dem Wald. Wie romantisch diese Stadt nur ist!
Zum Abschluss leisten wir uns noch ein kulinarisches Highlight und holen eine Kebab-Pizza. Steffen hat uns geraten diese „schwedische Spezialität“ zu probieren. Nahe vom Rathaus setzen wir uns ans Wasser, essen Pizza, trinken Lättöl (Bier mit 2.2 vol%) und verabschieden uns von Stockholm.