Norwegen

Nachdem wir in Schweden wochenlang gutes Wetter hatten, werden wir in Norwegen mit Regen begrüsst. Da wir jedoch erst spät abends am Ziel in Hyggen ankommen, macht es uns nichts weiter aus, solange es am nächsten Tag trocken wird.
Und siehe da, am morgen werden wir mit Sonne verwöhnt und wir können wie geplant klettern gehen. Mellomveggen heisst der Sektor für heute. Wir sind begeistert – 5min Flipflops-tauglicher Zustieg und richtig kompakter Granit mit schönen Rissen zum klettern! Wir wissen, dass Norwegen richtiges Gebirge mit sehr hohen Felswänden zum klettern hat – hier sind es nur gerade 25m, wenn die Qualität so bleibt wird das der Wahnsinn!

Für die Arbeitstage wechseln wir den Ort und fahren ein Stück weiter Richtung Gebirge nach Skien, eine Kleinstadt mit einem praktischen Stellplatz im Hafengelände. Etwa 8 grosse Parkplätze extra für Wohnmobile stehen hier für 50 NOK pro Tag (norwegische Kronen – 10 NOK sind ca. 1 Euro), was ein richtig gutes Angebot ist. Für ähnliche Angebote (mit Toilette und Frischwasser) bezahlt man in Norwegen sonst bis zum 4-fachen. Dementsprechend gut sind diese Plätze besucht. Wir sind die einzigen Ausländer und fallen aber vor allem wegen unserer Grösse auf. Wir haben mit Abstand das kleinste Auto, die anderen Fahrzeuge haben eine Länge zwischen 7m bis 10m!

Zwei Tage lang wechseln sich Regen und Sonne im 5min-Takt ab. Uns solls nicht stören, pünktlich auf „unser Wochenende“ wird laut Meteo die Sonne scheinen.

In einer langen Fahrt ziehen wir am Donnerstagabend weiter in Richtung Fyresdal. Die Landschaft ist unglaublich romantisch und wild! Obwohl wir uns hier noch im besiedelten Teil Norwegens befinden, sind die Ortschaften oft nicht grösser als kleine Dörfer in den Schweizer Bergen, ausgestattet mit einem Lebensmittelladen und evtl. einer Tankstelle mit einem Abstand von 30-45min Autofahrt zum nächsten Ort. Dazwischen stehen immer mal wieder vereinzelte Häuser, direkt an wunderschönen Seen, umgeben von grossen Wäldern. Auf der Strasse sind fast mehr Wohnmobile unterwegs als PKWs, aber insgesamt ist der Verkehr sehr überschaubar.

In Fyresdal gibt es einige Klettergärten und Mehrsseillängen, beginnen wollen wir an der „Drugwall“. Den Camper stellen wir neben einen See mit Sandstrand, direkt vor imposanten Felswänden. Von einer Freundin (merci Katharina) aus der Schweiz hat Basho ein Kletterführer mitgebracht. Bald stellt sich heraus, dass die Suche nach dem Fels, trotz Topo und Internetrecherchen, gar nicht so einfach ist. Wo wir erstklassige Routen erwarten (und in der Schweiz, Italien, Spanien… auch welche drin wären), ist in Norwegen oft unbetretenes Gelände. Dafür findet man kleine Klettergärten an eher unbedeutenden, oft nicht sofort sichtbaren Wänden. So dauert es eine Weile, bis wir die Drugwall finden. Ohne einen für uns sichtbaren Weg bahnen wir uns diesen durch das Gestrüpp und machen das erste Mal Bekanntschaft mit dem Hochmoor. Steffen hat uns in Schweden empfohlen Gummistiefel zu kaufen – vielleicht wär das gar keine so dumme Idee gewesen?!

Insgesamt haut uns die Kletterei nicht um. Sowohl in der Drugwall, wie auch in der „gelben Wand“ die wir am nächsten Tag besuchen, gibt es vor allem Plattenkletterei und knapp senkrechte Kletterei in leicht moosigem Fels. Dafür finden wir Wespennester und ein Vogelnest mit Jungvögeln mitten in den Routen. Es verleiht den Eindruck, als würde hier nur alle paar Monate mal jemand zum klettern vorbeikommen. Schade. Nach dem Bombenstart in „Hyggen“ haben wir grosse Erwartungen gehabt. Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher, was mich in Norwegen an Kletterei noch erwartet… Doch eins bin ich mir sicher: Nur schon der Landschaft wegen, war es allemal wert hierher zu kommen, es ist atemberaubend schön!

Seit gestern sind wir in Kontakt mit einem Freund von Basho aus Bern, er fährt gerade mit dem Fahrrad von der Schweiz bis ans Nordkapp und möchte bei uns einen Zwischenstopp machen um mit uns klettern zu gehen. Wir freuen uns darauf!

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