Wild wild west, oder freundliche Sarden die Dritte

# Teaser: Um Buggeru werden wir die wahrscheinlich bis lang schönste Landschaft und beste Kletterei bisher erleben

Unsere eingeschlagene Richtung West brachte uns schliesslich ans Meer. Durch menschenleere, wunderschöne Landschaften, scheinbar endlose Steilküsten, Hochebenen, Kurve an Kurve folgend erreichten wir die Bergbausiedlung Buggeru.

Der Bergbau hat die Landschaft eindrücklich geprägt, Abraumhalden, Stollenausgänge scheinbar im Nirgendwo, Infrastrukturreste und oft verfallene Gebäude oder Ruinen.

Wir lassen den Strand links liegen und reiten ans gefühlte Ende der Welt (zumindest der Strasse): Capo Pecora. Was für ein Gegensatz nach Buggeru: Dinosauriereier-Steine, vom Wind geformte Büsche, Kiesstrand und zerklüftete Steilküste. Die Szene ist von herber Schönheit und wir untermalt vom Wind.

Wir sind uns einig: hier bleiben wir für den Moment. Der Parkplatz am Ende der Strasse soll unser Stellplatz werden.

Natürlich, ihr ahnt es: es soll auch ein Klettergebiet dort geben. Im Gegensatz zu den meisten anderen bisherigen Klettergebieten, die wir mit euch besucht haben, wird es dort maximal einen Stand am Ende der Route haben, sonst keine Haken. In Capo Pecora müssen Kletterer im Tradstil ihre Sicherungen mit mobilen Geräten selber anbringen. Der Granit bietet sich wohl sehr dazu an. Soviel wissen wir bereits und freuen uns während wir den Sonnenuntergang im Meer geniessen auf den nächsten Tag (Merci Cécile dass du nicht bereits den Zustieg komplett erkunden wolltest!).

Am nächsten Tag führte uns der Weg entlang von Schafspfaden zum direkt an der Steilküste gelegenen Klettergebiet. Die Steine und Felsen auf dem Weg sehen aus wie Tiere, Elfen, Trolle, Drachen oder Prinzessinnen auf dem Thron. Der Wind hat die wildesten Formen aus dem Granit modelliert. Wir geniessen die abenteuerlichere Kletterei anfangs ganz für uns allein. Zumindest bis uns eine grosse Gruppe Franzosen Gesellschaft leistet. Platz hatte es trotzdem genug.

Ich für meinen Teil kann von der Kletterei nicht genug schwärmen, rauer Fels, trad, Risse, tausende Linien laden zum Entdecken ein. Wir diskutieren noch wie aufwendig diese Art der Kletterei sein kann: wenn es keinen Stand oben am Ende der Route gibt, muss man diesen installieren, den Partner nachholen und gemeinsam wieder zurück zum Wandfuss laufen. Ein ganz anderer Rhythmus.

Unser Stellplatz am Meer mit Sonnenuntergang teilen wir uns wieder mit einigen anderen Campern, meist Surfer, Standuppaddler oder eben Kletterer. Nach dem Sonnenuntergang dösen wir unter tausenden und abertausenden Sternen den Träumen über Drachenfelsen und, …

Poch, Poch, blaues Licht blinkt auf dem Platz: zwei Carabinieri gehen von Auto zu Auto und wecken alle: „No camping, you cannot stay here, go to camping place.“

Tja, da werden wir das erste Mal vertrieben. Zu schade um den Abend und den tollen Ort.

Halb müde, halb hässig auf die Ordnungshüter rollen wir etwas ziellos los. Halb hässig den, freundliche Sarden 3.1: es gab keine Busse. Da uns die Carabinieri mehr oder weniger direkt folgend fahren wir zum Stellplatz in Buggeru. Der Eingang ist mit einer Schranke blockiert. Also parken wir direkt davor neben einem Parkverbotsschild für Camper.

Am nächsten Morgen treffen wir beim Zmorge die beiden Carabinieri von letzter Nacht wieder: immer noch vor dem Stellplatz im Parkverbot. „No camper here! You leave.“ Nach kurzer Diskussion, die beiden können eher marginal Englisch, lassen sie uns stehen, wieder, freundliche Sarden 3.2, ohne Busse. Nach einer Weile bemerken wir, dass die Schranke nur mit einer Schnur eingehängt ist. Etwas unwillig die Gebühr für den doch recht verwahrlosten Stellplatz zu zahlen stellen wir uns ganz ans Ende. Bis jetzt ist kein Stellplatz-Capo zu sehen (Öffnungszeiten: 8 – 14, es ist 9:30). Ich bin gemütlich in der Sonne am Schaffen, Cécile am Fliegen verjagen und entspannen. Bis der Capo auftaucht. Wir ignorieren ihn, und: er uns auch. Ja nu…

Irgendwann ruft uns das Dorf, einkaufen, Kaffee, Gelati. Die Läden schliessen gerade für die Nachmittagspause als wir auftauchen. Tja, dann Kaffee und Gelati. Die Bar macht deutlich wie sich Corona recht schnell in den kleinen Dörfern verbreiten kann. Der Besuch zweier von drei Supermärkten im Dorf (okay, Dorfläden) lässt uns fast die komplette Einkaufsliste abhaken. Zurück auf dem Stellplatz arbeite ich noch, als Cécile eine ungüstige Entdeckung macht (wir tropften die letzten Tage manchmal, besser der Camper):
unter dem „Badezimmer“ rinnt Wasser durch den Camper. Nix gut: Insel & inkontinente Dusche und Brünneli und ein nach unserer Erfahrung schon recht überforderter Hersteller.

Cécile telefoniert mit unserem Händler (Danke für die schnelle und unkomplizierte Hilfe!) und findet so nach einigem Fluchen, basteln und probieren einen Zugang unter die Dusche. Dort ist einfach ein Rohr abgefallen. Liebe Firma Hymer: wenn man das daheim macht, ohne Schelle und Dichtband, dann ist das okay, wenn es ein Amateur macht. Am Auto: hmpf.

Zur Belohnung der getanen Arbeit gibt es frische Pasta und ein kühles Bier. Der Capo ist nirgends zu sehen und wollten bis jetzt nix von uns. Er taucht auch am nächsten Morgen nicht auf bis wir weiterziehen zum nächsten Highlight. Also, bleibt dabei, so lang es regnet schreibe ich weiter 😀

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