Deep blue Sea, oder freundliche Sarden die Vierte

Nach dem frühen Aufbruch fanden wir leider die Bäckerei noch geschlossen vor (8:30). Kein Problem, noch haben wir etwas Brot und Notfallpumpernickel ist auch noch da.

Das Ziel ist am Ende des Hochplatos nach einer alten Bergbausiedlung zu finden. Nun, das Ziel und der Weg: es geht ab von der Strasse, noch ein paar Meter Asphalt und dann kommt eine Schotterpiste. Ich philosophiere so wie das mit dem Offroader wäre, während Cécile immer langsamer fahrend den Camper vorsichtig vorwärts bewegt. An einer Art Kreuzung entscheiden wir: fertig Fahren, sonst fertig Camper. Im Staub finde ich ein Schild über die Ruinen von Pranu Sartu vor denen wir uns befinden. Leider sind die Sehenswürdigkeiten in Italien auf den Beschrieben oft eher bescheiden, Hintergrundinfos glänzen durch Abwesenheit und oft sind die Texte lustig übersetzt. Ein wenig schade, wenn ihr mich fragt. Immerhin weiss ich nun, dass die Siedlung erst Mitte 20. Jh. endgültig verlassen wurde (man sieht nur noch Ruinen). Der Weg führt uns zu Fuss dann weiter bis zur Steilküste, vorbei an Ruinen und Steinbrüchen durch windgeformte Büsche. Weit und breit kein Mensch.

An der Steilküste suchen wir, entlang der Abbruchkante, exponiert wie es nur geht, den Einstieg zu unseren Klettereien. Ich habe exponierte Kletterei, erreicht durch Abseilen erwartet. Und behauptet man könnte unten am Wandfuss das Material zurücklassen. Soweit wir wissen gibt es dort auch komplett cleane Routen: also auch die Stände sind nicht gebohrt. Nun, nicht dass das nicht eh schon ein gewisses Commitment bräuchte, der Wandfuss fehlt hier komplett: unten nur tosendes Meer.

So ein Abenteuer fehlt uns noch – haben wir beide noch nicht gemacht. Wir starten mit einer einfachen Route. Exponiert Abseilen, Länge für Länge dem Meer entgegen. Immerhin die Route ist super abgesichert. Trad wollen wir hier erst mal nicht Klettern, es ist so bereits exponiert, der Fels zwar stellenweise rau, aber leicht schmierig vom Salz und teils marmorartig. O-Ton Cécile: Klettern wie in einem Badezimmer. Lasst euch nicht täuschen: das Ambiente ist der Wahnsinn, die Kletterei durchaus etwas wert. So angefixt geht es nach dem Mittag auf zur nächsten Route. Vermeintlich 6a. Das Abseilen ist schon wilder. Und wir merken, dass wir das erste Mal so etwas machen: Es wäre schlau gewesen in der 1. Länge, oder letzten Länge beim Abseilen alle Haken einzuhängen und durch diese das Seil abzuziehen: es gibt keinen Boden, nur Meer… Die Sache mit dem Meer und dem Seil ist nun etwas blöd, denn wenn das Seil sonst einfach auf den Boden fällt, fällt es hier…

Da zählt also alles. Und wir schaffen es das Seil aufzufangen bevor es ins Meer fällt. Die erste Länge ist nicht banal aber gut zu machen. Cécile steigt sie souverän vor. Aber es ist steil, und die nächste Länge sieht viel viel steiler aus. So macht Klettern Spass. Nun, nur vergessen wir nicht, dass es hier nur einen Weg zurück gibt: nach oben. Wir müssen also alles Klettern können. 6a, easy…

Ich steige vor, eindrüchlich steil, aber immer noch topp abgesichert, aber zwischen den Haken muss klar geklettert werden und die Schlüsselstellen liegen immer zwischen den Haken. Dann, das Geräusch vor dem sich jeder Kletterer wohl am meisten fürchtet: peng. Irgendwie habe ich es geschafft, es ist weder schwer, noch habe ich viel Kraft gebraucht, beim Lösen der Hand vom Fels habe ich wohl mein Ringband gerissen, vermute ich. Fluchend geht es weiter mit nur einer und einer halben Hand. Die Kletterei ist immer noch wahnsinnig schön, exponiert, rau, technisch. Eher anspruchsvoll für 6a 😉 .

Cécile kämpft sich mutig mit Rucksack zu mir an den Stand: sie flucht, „Das ist keine 6a!“. Macht nix, mein Finger geht so lala, beide sind wir am Stand und müssen noch 3 Längen hoch. Cécile steigt die nächsten 2 Längen am Stück vor: deutlich einfacher, aber immernoch exponiert und mit deutlichen Hakenabständen. Die Kletterei ist wahnsinnig abgefahren, von plattig technisch ist sie jetzt zu Aufschwüngen und grosszügigen Griffen gewechselt. Die letzte Länge erweisst sich als freundlicher Ausklang, flach, grosszügig, dass kann ich auch mit dem Finger noch geniessen.

Wir entscheiden, dass das Klettern sinnvollerweise erst einmal Pausieren muss. Und machen eine nachmittägliche Erkundungstour durch die Ruinen von Pranu Sartu. Auch auf der Suche nach einem Stellplatz für die Nacht. Ohne Offroader geht da nix. Aber die Ruinen führen uns ins Bergwerksgelände steil hinab an die Steilküste. Dort erkunden wir das eigentlich gesperrte Areal. Verwunschen, abenteuerlich. Scheinbar komplett aufgegeben. Aber der Wasseranschluss geht noch und die Weichen der Werksbahn, die aus dem Stollen kommt, sind geschmiert. Wofür auch immer.

Das Gelände ist nicht ganz ohne: Stollen und Abbrüche ins Meer. Wir geniessen es.

Der Rückweg führt uns vorbei an einem etwa 100 Meter tiefen Steinbruch, ein riesiges Loch zwischen Pranu Sartu und der Steilküste. Wahrscheinlich tönt deshalb der Boden manchmal hohl 😉 .

Am Abend treffen wir noch zwei Weltreisende Deutsche, die ihre Weltreise wegen Corona abbrechen mussten und unterhalten uns mit Ihnen. Nach der Geschichte mit den Carabinieri „No Camping“ verstecken sie sich mit ihrem Dachzelt ein wenig weiter zwischen den Büschen und wir versuchen den Camper so gut als möglich zu verstecken: die Büsche sind maximal 2 Meter, der Camper 2.7 m.

Nach einer gemütlichen Nacht werden wir von Schafen geweckt und, poch poch:

„No Camp, oooooh no! It‘s the second time. No camping. You have to leave.“ Nun, wir kennen das Spiel, freundliche Sarden Teil Vier. Sie besuchen noch unsere Nachbarn und wir überlegen ob wir es strapazieren sollen und noch zu Morgen essen sollen. Schlussendlich geht es ohne Kaffe los, zum Zmörgele wieder nach Capo Pecora, zum Tradklettern, mit Umweg über den Beck in Buggeru. Apropos, freundliche Sarden die Fünfte oder so – ich hab von der Gelateria Besitzerin super Gipfeli und feines dunkles Brot bekommen 😀 .


Das Klettern in Capo Pecora war vom Ziel geprägt einfach zu Klettern – habe mich wacker geschlagen 😀 – Merci Cécile sind wir trotzdem gegangen, war wunderschön und mein Ringband ist doch nicht durch, nur etwas lediert.
Auf dem Rückweg bewundern wir noch Kliffe aus Algen, in die das Meer Fyorde gefräst hat…

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