Hochkultur: Alhambra und Granada

Jetzt regnet es. Den dritten Tag. In Strömen. Zeit zum schreiben…

Unser Weg nach El Chorro führt uns Richtung Süden, nach Andalusien, Zentrum der maurischen Kultur auf der iberischen Halbinsel.

Ich war recht gespannt auf Andalusien, wegen der maurischen Kultur, deren Reste wir hofften zu sehen. So kam der Tipp, Granada und die Alhambra zu besuchen gerade richtig: das dürfen wir wirklich nicht verpassen.

Eine Recherche zeigt, übernachtungs- und tagsüber-taugliche Parkplätze in Granada oder direkt in der Nähe sind rar: meistens ist die Nacht nicht das Problem, sondern der folgende Tag. Wir entscheiden uns für einen Platz, bei dem, so das weise Internet, nicht ganz klar ist, ob es legal ist oder nicht, es aber noch keine Probleme gab, und der eine gute Aussicht bieten sollte. So fahren wir am Abend durch die Rushhour auf den Hausberg von Granada. Eine sehr stressige Suche nach Wasser (unser Vorrat war weniger als 5l, für Duschen, Essen und Trinken eher knapp) später fahren wir an der Alhambra vorbei auf einem Waldweg nach oben. Kein Schild oder dergleichen versperrt uns den Weg. Also „parkieren“ wir kurz vor dem höchstem Punkt mit Aussicht über die ganze Stadt und schlafen sofort ein. Am nächsten Morgen werden wir interessiert von Joggern, Wanderern oder Bikern beäugt, aber nie kritisch. So geniessen wir unser Frühstück und stärken uns für die Kultur.

Platz mit Aussicht

Eine weitere stressige Parkplatzsuche später – entweder da wo andere von eingeschlagenen Scheiben berichteten, oder auf dem absurd teuren Alhambraparkplatz – stehen wir endlich vor der Alhambra. Dank Corona müssen wir weder Tickets reservieren noch anstehen: nach 5 Minuten sind wir drin und auch innerhalb der Alhambra geht es entspannter zu als sonst wohl üblich.

Alhambra, Palast

Während sich der Aussenbereich unscheinbar präsentiert und mehr Gärtner als Touristen aktiv sind, zieht es uns zum Königspalast. Auf dem Weg durchqueren wir den ehemaligen Garten der Medina, und müssen uns dann vor dem Palast doch noch einmal kurz in eine kurze Schlange anstellen. Wird es das wert sein 😉 ?

Ja. Absolut. Der Palast in ein absolutes Highlight. Die Verzierungen von Decken, Wänden, Fenster und Türbögen sind unglaublich detailreich. Der Unterschied zwischen Bauten im mittelalterlichen Europa des 13. Jahrhunderts und der Alhambra ist unglaublich eindrücklich: wirklich zwei unterschiedliche Kulturen. Aber nicht nur die Dekorationen zeugen davon, auch die Räume welche in Innenhöfe mit Brunnen oder Wasserläufen am Boden öffnen sind an aufwendig gearbeitet und wunderschön. Allerdings stumpfen wir ein wenig im Laufe des Besuches ab.
Lichtspiele der Wasserflächen in den Wand- und Deckenornamenten und „Comics“ von wilden Schachspielen und Kämpfen mit Löwen wecken unsere Begeisterung dann wieder auf. So spazieren wir weiter und kommen in einen „ruhigeren“ Teil des Palastes mit kleinen Gärten in den Innenhöfen. Cécile bemerkt, dass der Palast zwar bis dahin schön sei, wenn sie wählen dürfte, aber in diesem Teil würde wohnen wollen. Mittlerweile stehen wir vor einem der raren Schilder: Palast der Königin. Na dann, der Massstab ist gesetzt 😉 .

Innenhof

Die Gärten um den Palast und die umliegenden Gebäude, bei denen jedes einen speziellen Zweck hat, wie der Palast des Emirs oder der Palast der Gäste, demonstieren nicht nur Sinn für Schönheit, sondern auch Macht und Ingenieurskönnen: Wasserspiele gehen verschwenderisch mit dem kostbaren Nass um: wir entdecken sogar eine Treppe mit kleinen Bächen im Handlauf. Wirklich eindrücklich, insbesondere für die Zeit in der der Palast gebaut wurde. Ein Glück überlebte er die Rekonquista und folgende Generationen bis heute.

Auf der zugehörigen Festungsanlage, welche auf einer römischen Festung aufgebaut wurde, gewinnen wir einen guten Überblick über die Altstadt und das Albaicin-Viertel. Da wollen wir auch noch hin.
Etwas Fusslahm und gesättigt an Eindrücken ziehen wir los, um erst einmal unseren Hunger zu sättigen. Dumm nur, ist mal wieder Siesta. Nach ein wenig Suchen entdecken wir einen schönen Innenhof der eigentlich zu einem Flamencoclub gehört. Dort können wir unseren Hunger mit Tappas befrieden und bei einem Cerveza die Sonne geniessen. So lässt es sich leben.
Albaicin ist sicherlich ein schönes, lebendiges Viertel, wir treffen es aber eher still an und haben es mehr oder weniger für uns. So ziehen wir wieder langsam Richtung Camper. Dabei haben wir über Granada immer die weissen, schneebedeckten Berge der Sierra Nevada vor Augen. Grösser könnte der Kontrast nicht sein: wir mit Sonnenbrille und Tshirt, in den Gärten Palmen und Kakteen und im Hintergrund Skipisten und Schnee. Toll.

Blick von der Alhambra Richtung Sierra Nevada

Und zu allem Überfluss finden wir unseren Camper wieder und alle Scheiben intakt vor. Mit so vielen guten Omen stürzen wir uns wieder in die Rushhour von Granada (mal richtig viel Autoverkehr), und düsen ab, weiter in den Süden, der Weihnachtssonne entgegen.
Randbemerkung: Es hatte bis vor kurzem 2 Monate fast keinen Regen während unserer Reise.

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