El Chorro

Auf nach El Chorro, eines der bekanntesten Klettergebiete der Welt. Die Erwartungen sind, nach Siurana, Margalef und Chulilla, gross. Das Dorf El Chorro könnte kleiner nicht sein, es besteht aus ein paar Häusern, drei Restaurants, einem Bahnhof und einem kleinen Dorfladen. Ein grosser Campingplatz zwischen Dorf und Felswand wurde (wegen Steinschlag? Oder mangels Einkommen?) aufgegeben. So stehen, trotz Covid, einige Camper auf verschiedenen Plätzen ums Dorf herum verteilt.

Hier treffen wir auf Philipp und Nora, sie sind einen Tag früher hier angekommen, besuchten jedoch noch einen kleinen Campingplatz etwas ausserhalb von El Chorro. Eine sehr abenteuerliche Strasse, die erst einen steilen Anstieg über holperiges Terrain und später ein grosses, abfallendes Schlammloch hat, führte sie zu einem hübschen Platz direkt am Wandfuss im Wald mit ausgebauter Wasserstelle. Wir sichteten diesen Platz einen Tag vorher. Ich getraute mich jedoch nicht durch ein grosses Schlammloch, dass die Zufahrtsstrasse prägt und warnte sie. Das Känguru bahnte sich jedoch tapfer den Weg (Nora musste aussteigen und wegschauen). Bei ihnen zu Besuch entschied Basho wohl, dass auch Rocky das schaffen müsste. Auf mein „Nein, da fahren wir nicht durch solange es diesen Zustand hat“ reagierte er deshalb mit Brüggli bauen. Aus dem Wald sammelte er Steine, um das Loch zu ebnen und als ich sein Bemühen sah, konnte ich fast nichts mehr sagen… Eine halbe Stunde später im Stockdunkeln steht unser Camper quer im Loch. Tja da hilft stöhnen und ein „ich habs doch gesagt“ nichts, versuchen und hoffen und phu geschafft, ohne Schaden, nur komplett verdreckte Räder. Diesen Platz verlassen wir nicht so schnell wieder!

Die Nachbarschaft zu Philipp und Nora hat Vorteile, schnell mal ihr Topo ausleihen und sich miteinander absprechen ohne Handy. Ein paar Tage später wechselten wir den Platz, da wir nach Alora einkaufen gehen mussten und uns danach für einen sonnigeren Platz weiter oben entschieden. – Da die Sonne in der Zwischenzeit oft stark schien und einige Autos Bashos Steine im Schlammloch festfuhren war die Durchfahrt diesmal kein Problem. Der neue Platz hat Wärme- und Strom-Vorteile, aber für unsere Paella-Aktion mussten wir dafür 10min spazieren…
Wir haben in Alora Reis und Gemüse für Paella gekauft. Philipp und Nora haben einen gusseisernen Topf mit und so luden wir sie auf ein Paella-Abenteuer auf der Feuerstelle neben ihnen ein. Weil wir unser Gemüse jedoch zur Hälfte im Auto liegen lassen haben, joggte Basho nochmals den Weg zurück. Danke! So wurde es ein richtig schöner Abend mit sehr feiner Paella!

In El Chorro sind wir jedoch vor allem wegen den Felsen. Was dieses Gebiet einmalig macht, ist die grosse Vielfalt. Etwa 1700 Routen liegen auf Gehdistanz nebeneinander. Einseillängen teilen sich die Wand mit Mehrseillängen und zwar von sehr einfach bis Profi-Niveau, meist sehr gut bis übermässig abgesichert. Aber auch Trad-Längen soll es geben.
Wir klettern mal mehr, mal weniger ambitioniert in verschiedenen Klettergärten. Ein ständiger Begleiter über uns sind Adler und Geier, am Boden Hunde. Trotz Winter ist es meist warm – solange die Sonne scheint. Geht sie unter, wird es schlagartig kalt. So sind die Klettertage meist nicht allzu lange und Basho mault wie wenig wir tatsächlich am klettern sind, obwohl wir fast jeden Tag gehen. Ich wünschte mir dafür auch mal einen Ruhetag…

Was wir aber beide sehr gerne machen sind Mehrseillängen! Unsere erste MSL in El Chorro ist „Amptrax“, mit 8 Seillängen in der Schwierigkeit 6a eine der Top50 aus dem Kletterführer. Wir kennen die anderen 49 nicht, sind aber durchaus angetan von der Route. Die ersten 3 Längen sind steil, dann folgt ein Quergang (den ich nicht so mag, Basho aber als eines der Highlights betrachtet) und zum Schluss wird es plattig. Der Abstieg ist jedoch fast unser Highlight – ein hübscher Weg hinter dem Berg, von wo wir das erste Mal einen umfassenden Blick auf die ganze Gegend um El Chorro gewinnen. Er führt ausserdem an interessanten bewohnten Höhlen vorbei, wir vermuten „Ferienwohnungen“ von Kletterern.

Unsere Ferien gehen in die zweite Runde. Das Jahr 2020 beenden wir mit einem gemeinsamen Koch- und Spiele-Abend mit Philipp und Nora. Ohne Alkohol, dafür mit einem Gute-Nacht-Kuss um 23:45. Das neue Jahr kommt so oder so.

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