Wilde Abenteuer, blaue Linien, Camino del Rey und was bleibt

Seitenbemerkung: Es schneit nicht… Immerhin. Dafür war heute viel besser als angesagt, nur immer mal wieder Regen und Tagsüber eine lange Pause. Morgen ist das Tief dann weg und die Sonne hat uns endlich wieder. Vorher, da schreiben wir noch Blog.

Wir haben ein mal diskutiertiert was uns wohl von der Reise bleiben wird. Städte, Kultur, wilde Mehrseillängen, spektakuläre Klettergärten? Wer weiss. Über El Chorro bin ich zwiegespalten. Es hat viel guten Fels, hohe Wände, wilde Touren. Für meinen Geschmack haben wir ein wenig die wilden Touren links liegen gelassen, oder manchmal auch verpasst. Ich habe den Eindruck in El Chorro ist sehr viel an den Kletterrouten so saniert wurden, dass es nicht mehr so spektakulär ist. Leider waren die topp Klettergärten alle ein wenig schwer für uns, um den weiten Zustieg zu rechtfertigen (2 bis 3 Stunden).
Mir bleibt also das Potential von El Chorro und viele sehr sehr gut abgesicherte Mehrseillängen, und Klettergärten mit sehr dichtem Routennetz. Ein wenig habe ich die Grosszügigkeit von, zum Beispiel, Siurana vermisst. Jammern auf ultra hohem Niveau 😉 .

El Chorro, Sektor Frontales

Aber was wir sonst so gemacht haben bleibt sicher auch hängen. Gemeinsame Erlebnisse und zusammen Erreichtes.

Cécile hatte sich immer mal wieder Pizza gewünscht. Wünschen tun wir uns doch alle immer das was nicht so einfach zu haben ist. Und da wir keinen Backofen haben, sind die Wünsche bescheiden: Lasagne, Gebäck oder eben Pizza.

Unsere Büro-Assistentin

Wir stehen in El Chorro mittlerweile immer mal woanders, oder auch mal auf einem Campingplatz: Der Finca la Campana. Ein toller Ort. Mit grossem Aufenthaltsraum mit Ofen zum Wärmen (Holz wärmt hier 2 mal: Hacken und Einfeuern), Katze zum Wärmen (ich kann nicht einfeuern helfen, ich muss die Katze streicheln, oder sie hilft mir bei den Arbeitstagen, indem sie sich auf den Laptop legt), Boulderwand und Slackline, die wir ausgiebig an unseren Ruhetagen nutzen. Den Pool nutzen wir eher nicht, dafür andere Dinge:

Da die Finka einen Pizzaofen hat, war schnell ausgemacht: wir wollen mal richtig Pizza machen. Im Steinofen.

Pizza ist Corona-konform

Was durchaus eine Herausforderung sein kann. Erstmal braucht es Teig, also Hefe. Bisher war Hefe schwer zu bekommen. Dank Philipp und Nora konnte dieses Problem gelöst werden. Also gibt es 1kg Pizzateig und 1kg Brot. Super. Leider ist es so kühl am Abend, dass der Teig im Schatten kaum aufgeht. Unsere spanischen Mitbewohner der Finka lösen das Problem mit andalusischer Heissblütigkeit. Ok, eher mit dem Einfeuern des Ofens und indem sie den Aufenthaltsraum gemütlich füllen. Das ist sehr sehr angenehm, mal wieder richtig viel soziales Treiben. Andererseits ist es ein wenig heikel. Gut für die Pizza jedenfalls. Der Teig geht super auf.

Also Pizza in den Ofen und fertig. Halt, erst einfeuern. Gibt es da was zu beachten? Kurz im Internet nachlesen. Mittlerweile ist es dunkel, der Ofen brennt jetzt. Leider wird es kaum warm. Also weiter heizen, es wird heiss. Heiss genug denke ich, Glut zu Seite, die 3 anderen haben als Pittajolos schöne Pizzen gemacht, wie beim Italiener ohne ausrollen, schöne dünne Teigfladen, bestens belegt. Sieht fein aus. Ab in den Ofen. Die ersten beiden Pizzen geraten sehr gut. Danach finden wir heraus, dass es nicht warm genug ist. Ab da wechseln wir immer wieder zwischen Pizza, Brot, Brötli und Einfeuern. Trotzdem sind sowohl die Pizzen, das Brot und die Brötli am Ende sehr fein. Echtes Teamwork.

Merke: vorher früher anfeuern. Viel mehr Feuer…

Auf geht’s, Steingeissen beeindrucken!

So gehen wir satt, zufrieden und glücklich schlafen und stärken uns für neue Klettertouren.

Okay, wir stellen uns wirklich an…

Eine der Touren führt uns auf die längste Tour des Gebiets, ganze 12 Längen. Ich bin gespannt und erwarte eine lange, ein wenig abenteuerliche Tour. So ganz wird die Tour meinen Wünschen nicht gerecht: viele Haken, viele, eher kurze Seillängen. Macht nix, trotzdem hübsche entspannte Kletterei und wir nutzen sie als perfekte Übung zum strategischen Klettern (Längen verbinden, Seilreibung minimieren, …). Kurz vor dem Ausstieg werden wir im 5er Gelände von spanischen Steingeissen beäugt. Offenbar sind wir keine Gefahr, geschweige denn eindrücklich für sie. So ziehen die beiden jungen Tiere fröhlich grasend über unsere Kletterroute. Am Ende der Tour wartet mehr Steinbockgelände: ein hübscher Grat auf den Gipfel.

Ein Grat, ein schöner Grat

Doch, doch, ein schöner Abschluss und ich werde wieder kommen, und die schweren, wilden Seiten von El Chorro noch mal besuchen.

Oooooben drauf 🙂

Nun, ganz schliessen wir mit El Chorro noch nicht ab: der spektakuläre Weg des Königs, der Camino del Rey, ein alter Wartungsweg für die Staumauern und Wasserleitungen, quer durch eine Schlucht muss noch besucht werden. Früher, vor den Staumauern, führte die Schlucht immer wieder zu schrecklichen Überschwemmungen bis Malaga. Mit dem Wissen brechen wir mit Nora und Phillipp auf, um den letzten Tag vor dem Regen zu nutzen. So wandern wir durch eine zauberhaft schöne Auelandschaft zum Eingang der Schlucht.

Dort lassen uns über die Sicherheitsbestimmungen informieren: am besten nichts anfassen (Covid), auch keine Geländer, Handdesinfektion nutzen, nicht im Steinschlagbereich stoppen, Helm tragen. Okay, los gehts. Der neue, sanierte Weg ist hübsch, stimmt mich aber ein wenig wehmütig weil damit die tollen Klettergebiete in der Schlucht verloren sind. Wilde, sehr sehr steile Wände. Stellenweise gewaltig überhängend und von spektakulären Bändern, Sintern und anderen Strukturen durchzogen. Dafür gehören diese jetzt nicht nur den Touristen, sondern auch Geiern und anderen Vögeln. Der alte Camino ist immer wieder unter den Holzplanken des Neuen sichtbar: das wäre recht abentuerlich gewesen: stellenweise fehlen ganze Elemente. Dieser alte Weg wurde noch lange von Kletteren als Zustieg bis zur Sperrung 2015 genutzt. Das waren wilde Gebiete und Zeiten…

Aber auch so: der Camino gefällt und lässt so viel mehr Leute an der Abgeschiedenheit und Schönheit der Täler um die Schlucht teilhaben.

Am Ende nutze ich noch die Gelegenheit und stocke unseren Obstvorrat in einem wilden, ehemaligen Garten auf: Madarinen, Zitronen, leider ohne Granatäpfel – die Vögel waren schneller, und vermeintliche Mandeln. Wir hatten schliesslich am Vortag erfogreich Mandeln am Wegesrand gesammelt. Diesmal waren es aber Bittermandeln, und merke: auch nach dem Abkochen sind diese bitter.

Reiche Beute

Am Abend begiessen wir die erfolgreiche Begehung des Caminos mit einem letzten gemeinsamen Kochen und einer Runde Tichu mit Kopf-an-Kopf-Rennen um den Sieg. Unsere Wege, von Nora und Philipp und uns werden sich ersteinmal trennen. Und der Regen wird kommen. Wir ziehen noch zwei Tage auf die Finca und leisten der schwarzen Katze Gesellschaft, während es nahezu ununterbrochen regnet. So sagen wir El Chorro, dem Camino, den kreisenden Geiern, der Finca und schwarzen Katze adee und ziehen los, back on the Road again. Im strömenden Regen Richtung Süden. Wer weiss wie weit noch…

Schluchtiis

Hinterlasse einen Kommentar

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten