Nach den Regentagen folgt endlich die Sonne! Wir sind im Klettergebiet San Bartolo, in der Nähe von Tarifa. Unser Platz ist ein Sackgassen-Strassenrand vor einem verlassenen Militärgelände, der Blick Richtung Buschland und Wald, um uns herum immer mal wieder friedliche Kühe mit hübschen Hörnern und auch mal neugierige Pferde.
Aus einem geplanten Kurzstopp wird plötzlich eine Woche. Es bietet mehr als gedacht. Oft sind wir alleine auf unserem Stellplatz, für zwei Nächte haben wir Besuch von Briten und Deutschen, ansonsten sind da nur das alte Ehepaar, dass jeden Morgen Hand in Hand spazieren geht und mit ein paar Ästen aus dem Wald zurückkommt.
Die Felsen im Gebiet bestehen aus hartem Sandstein, der sich sehr gut zum Trad-Klettern eignet. Ein Sektor in unsere Nähe bietet viele Möglichkeiten im einfacheren Bereich selbst Routen zu suchen. Hier verbringen wir zwei Tage mit klettern, wobei der erste Tag nach der Zustiegs-Suche nicht mehr ganz so lang ist. Im Internet liest man, dass es keinen Weg zum Fels gibt, sondern viele kleine Trampelpfade. Auf einer Strasse gehen wir bequem bis zu einem Restaurant wo wir bellend von 3 riesigen schwarzen Hunden empfangen werden. Eingeschüchtert möchte ich einen anderen Weg wählen, doch Basho geht weiter und siehe da, die Hunde sind eigentlich sehr freundlich und wollten nur Hallo sagen. Ein Mann steht etwas weiter weg, rufend fragen wir wo es zum Fels geht. „Para arriba“, er deutet in einem kleinen Linksbogen zum Fels. Also gehen wir durch ein selbstgebasteltes Kuhgatter in die gedeutete Richtung. Und schon wieder – ein heftiges Bellen und Knurren von rechts. So wird unser Linksbogen noch mehr links und führt uns durch nasse Wiesen und Dornenranken…
Beim zweiten Mal sind es nicht mehr die grossen Schwarzen, sondern ein fürchterlich bellender Goldenretriever. Nun, da wir den Weg besser kennen, möchten wir an ihm vorbei. Wieder ist Basho der Mutige. Er sucht nach einem Stöckli und fragt den Hund ob er spielen möchte. Dieser nähert sich verwirrt und stellt sich dann neben mich um gestreichelt zu werden. Hä? Hundelogik… Etwas weiter dann der knurrende Hund vom letzten Mal, da er uns letztes Mal nicht gefressen hat, versuchen wir diesmal etwas näher daran vorbeizugehen und bemerken dass er angeleint ist. Tiptop. Beim Rückweg kennt uns der Retriever schon und kommt ganz ohne Ton, dafür in Begleitung mit einem Schäferhund und einem kleinen schwarzen Wuschel. Wer Angst vor Hunden hat, wird in Spanien nicht klettern gehen wollen. Entweder muss man beim Zustieg an Hunden vorbei, oder dann hat es andere Kletterer die ihren Hund mitbringen. Nicht selten treffen am Wandfuss 2 bis zu 7 Hunde aufeinander und bespassen sich gegenseitig. Die Hunde der Kletterer sind aber im Allgemeinen sehr gut erzogen und friedlich.

So auch im Sportklettergebiet in der Nähe, „Tajo del Buho“, dass wir am Wochenende besuchen und einige einheimische Kletterer mit ihren vierbeinigen Begleitern treffen.
Im Sektor „Mosaico“ finden sich kurze Routen in der Schwierigkeit IV bis 7c. Ich bin froh sind sie da nur bis max. 20m lang obwohl wir sonst längere Routen bevorzugen. Hier sind sie oft senkrecht mit Sloper-Griffen und wenig Ruhepositionen, dementsprechend sehr „pumpig“.



Als wir meine Unterarme genug strapaziert haben, nutzen wir die verbleibende Sonne für einen ausgedehnten Abstieg. Das „Tajo del Buho“ kann man sich von der Form wie eine sehr grosse liegende Tafel Schokolade vorstellen. Geklettert wird an der Längsseite, in der Nähe der Querseite liegt das kleine Dorf Betis. Im „Entdecker-modus“ klettern wir an einer sehr einfachen Stelle auf diese Plattform und stellen fest, dass die Fläche gar nicht so flach ist wie es von weitem ausschaut. Vor uns erstreckt sich ein riesiges Labyrinth aus kleinen und grossen Felsblöcken. Ein Spielplatz der Natur, den wir nun durchqueren.
Auch in diesem Sektor gehen wir ein weiteres Mal. Der lange (für spanische Verhältnisse) Zustieg von unserem angestammten Platz von ca. 30Min Fussweg geniesse ich. Wir spazieren auf einer sehr selten befahrenen Strasse, vorbei an Kühen und Pferden, unter kreisenden Geiern und mit Blick auf das Meer und Afrika. Einfach ein schöner Ort! Beim Klettern kommen wir ins Gespräch mit einem Einheimischen, der uns später kurzerhand auf ein Bier in den kleinen Kiosk im Dorf einlädt. Also eigentlich haben wir kein Geld mit und fragen die Besitzerin des Pubs ob sie morgen auch da ist und wir dann bezahlen können, als er hinter uns auftaucht und ihr sagt dass er bezahlen würde. Wir gehen trotzdem an nächsten Tag nochmal und geben ihr etwas Geld so dass die nächsten 3 für ihn gratis sind.
Die Abende an den zwei Arbeitstagen füllen wir einmal mit einer lustigen AcroYoga-Session und einmal mit einem Spaziergang durch das Militärgelände.









Auf dem Weg zum nahegelegenen Bouldergebiet, dass unser neuer Bekannte empfohlen hat, wollen wir noch den Strand besichtigen, den wir immer mal wieder von oben betrachteten. Es stellt sich heraus, dass er nicht nur von weitem sehr hübsch ist!
















