Ronda

Je weiter wir in den Süden reisten, wurde unsere Vorstellung von unserer Reiseroute immer schwammiger. Der ursprüngliche Plan über Portugal wieder Richtung Norden zu fahren wurde immer weniger wahrscheinlich. In Portugal wird wegen Corona ein hartes Regime gefahren, die Bewegungsfreiheit dort ist gering und wir wollen unser Glück nicht herausfordern. So ist der aktuelle Plan, dass wir über den Westen von Spanien relativ schnell in den Norden Spaniens fahren um dort noch eine Weile rund um Bilbao zu verweilen.
Nach einem Telefongespräch mit meinem Vater entscheiden wir uns, die Route nach Sevilla über Ronda zu führen. Das ist ein kleiner Umweg und vor allem fahren wir so einen Teil auf der gleichen Strecke zurück wie wir gekommen sind. Doch Ronda soll lohnenswert sein und klettern kann man laut Internet auch.

Ronda beginnt für uns an einem Regentag auf einem Stellplatz im Industriegebiet. Basho arbeitet und ich haushalte und telefoniere. Was zuhause nebenbei gemacht werden kann, benötigt unterwegs oftmals viel mehr Zeit. So wird Waschen/Trocknen zu einer tagesfüllenden Aufgabe, mit dem Ziel die Kleider bei Abfahrt am nächsten Tag trocken verstauen zu können. Im Auto können wir sie nicht, oder nur bedingt aufhängen und bei Regen ist es draussen genauso sinnlos. Also spanne ich unser Seil unter dem kleinen Dach über den Waschmaschinen im Zickzack. Sobald etwas Sonne da ist, hänge ich einige Stücke nach draussen, usw. Da Basho im Camper für die Arbeit am Telefon sitzt, setze ich mich auf die Waschmaschine unter meine Wäsche und verbringe die Zeit dort mit telefonieren.

Ronda können wir bei Sonnenschein besichtigen. Leider sind alle historischen Sehenswürdigkeiten, wie die „Baños Arabes“ oder das „Casa del Rey Moro“ oder die Stierkampfarena wegen Covid geschlossen. So laufen wir durch die arabisch-stämmige Stadt, erklimmen die Stadtmauern, besichtigen die mittelalterlich, arabesken Gebäude, Gassen und geniessen die Sonne. Uns bleibt ein guter Vorgeschmack der historisch bedeutungsvollen Stadt und ein Blick auf die imposante Brücke „Puente Nuevo“ über der Schlucht „El Tajo“, das Wahrzeichen Rondas. Sehr empfehlenswert.

Am nächsten Tag möchten wir endlich wieder klettern, weshalb wir uns gleich nach der Stadtbesichtigung aufmachen um im Gebiet übernachten zu können. Auf der Strecke liegt aber noch die „Cueva del Gato“, eine bekannte Höhle mit Höhlenmalereien, die wir besuchen möchten. Halb rechnen wir mit einem Betretungsverbot wegen Covid, doch auf den unpässlichen Fluss sind wir nicht vorbereitet. Die einzige Möglichkeit zu der Höhle zu gelangen ist eine Brücke die über einen Fluss führt, doch die Brücke erweist sich auch auf den zweiten Blick als nicht existent. Sie wurde wohl an einem sehr regenreichen Tag vom Wasser einfach weggespült. Zur Seite gedrückt liegt sie parallel zum Ufer, die Stahlhalterung komplett umgebogen und auf der anderen Seite ausgerissen. Also keine Höhlenbesichtigung für uns…

Oder doch? Wir finden eine Wiese, wo wir übernachten werden. Nicht gerade schön, da sie vom Regen stellenweise eher als brauner Matsch bezeichnet werden sollte und rund um den Camper liegen WC-Papier, ein Kondom und ein menschlicher Scheisshaufen ***, aber sie ist die einzige Möglichkeit in der Nähe des Klettergebietes zu stehen.
Es ist noch hell, also gehen wir auf einen Spaziergang durchs Gebiet und landen zu unserem Erstaunen doch noch bei einer Höhle. Das Staunen wächst als wir lesen, dass es sich um den Hinterausgang der „Cueva del Gato“ handelt. Das Hundidero-Gato-Höhelsystem ist mit über 9km Länge eines der Grössten Spaniens. Das Beteten ist ausschliesslich ausgebildeten Leuten vorbehalten, da es viele Seen, Siphons und nach Regenfall auch reissende Kanäle gibt. Macht nichts, auch der Eingang und die gesamte Umgebung hat einen wahrlich magischen Charakter!

Das Klettern am nächsten Tag fällt wieder einmal ins Wasser. Optimistisch machen wir uns mit Regenjacke und Klettermaterial auf an den Fels. Leider müssen wir feststellen, dass das leichte Nieseln am Morgen keineswegs vorbei ist und kurz nach Ankunft am Fels (3min Zustieg) in Regen umschlägt. So kehren wir in voller Montur (mit Gstältli und Helm) zurück zum Camper ohne die Wand jemals berührt zu haben… So füllen wir den Tag mit einem weiteren Spaziergang durch ein nahegelegenes Dorf und einer Autofahrt. Im Dorf finden wir einen Fluss, der im Karstgestein einfach aus den Felsen „fliesst“ und über Terrassen durch das Dorf fliesst.

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*** liebe Freunde, solltet ihr auch einmal mit einem Camper oder mit dem Zelt unterwegs sein und kein WC finden, so bringt doch einen kleinen Spaten mit und vergräbt eure Hinterlassenschaften. Habt ihr mal kein geeignetes Gerät bei euch (zB. Auf einer Wanderung), empfehle ich euch das WC-Papier in einem Säckli wieder mitzunehmen und euren Haufen so zu platzieren, dass es niemanden stören wird, gerne auch unter einem Stein verstecken. WC-Papier und anderen Abfall in der Natur stört nicht nur die Schönheit solcher Orte, sie führen auch dazu dass sich Einheimische über die „Scheiss- Touristen“ ärgern und das wild campen bald verboten und bestraft wird. Ich danke euch für jedes Stück WC-Papier, dass in den Abfallkübel wandert und jeden Versuch andere Leute auch davon zu überzeugen es euch nachzumachen!

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