Unter Kletter-Entzug fahren wir weiter nach Sevilla. Dort soll es eine Brücke geben, die mit Klettergriffen verschönert worden ist. Da wir von Fribourg die Pont Perolles kennen, sind wir schon mal begeistert: es ist ähnlich wie Hallenklettern nur eben draussen, so sollte der Regen nicht unbedingt ein Problem sein.

Gleich neben der Brücke finden wir einen fast leeren Platz wo wir uns für die Nacht hinstellen können. Perfekt für uns, selbst bei starkem Regenfall sollte der 20sek-Zustieg kein Problem sein!







Etwas ungewohnt ist es trotzdem am nächsten Morgen, ohne Rucksack, Helm und nur mit 5 Expressen klettern zu gehen. Das letzte Mal Hallenklettern liegt schon eine ganze Weile zurück. Leider kann die Brücke nicht wirklich mit der Pont Perolles mithalten, sie ist kaum 10 m hoch und die meisten Routen traversieren unter ihr durch. Auch das sonstige Ambiente und die Routen lassen uns nicht unbedingt in Euphorie ausbrechen. Macht nix, immerhin konnten wir klettern. Zudem können wir ein paar Einheimische bestaunen, die sich entweder von der Brücke mit Arbeitssicherheitsmaterial zum Üben abseilen, oder eindrücklicher, eine Gruppe Artisten welche an langen, frei hängenden Tüchern turnen. Am Ende gehen wir noch eine Runde spazieren. Nahe gelegen liegt eine Parkanlage mit hübschen Plätzen unter Bäumen, die im Sommer bestimmt gut besucht ist. Heute sind nur vereinzelt Leute da. Das Areal scheint im Rahmen der Olympiade entstanden zu sein und ist sehr weitläufig.






Am nächsten Tag wollen wir Sevilla, die Hauptstadt Andalusiens erkunden. Wir werden beide nicht so richtig warm mit der Stadt. Sie strahlt oft eine rechte Weitläufigkeit, fast Leere aus. Wir besuchen ein paar Sehenswürdigkeiten, wie etwa den Plaza de España, ein grosser leerer Platz mit einem Wasserspiel und hübschem Mosaiken an den Treppen und dem halbkreisförmigen Gebäude, dass den Platz abgrenzt. Vor dem Königsgarten, der von Pfauen bewacht zu werden scheint finden wir eines der Highlights dieser Stadtbesichtigung: riesige alte Bäume, die uns sehr mit ihrer Dimension beeindrucken.



Da meine Kletterhosen sich langsam den UV-Strahlen ergeben und immer mehr reissen, besuchen wir den „Bazar“, ein kleiner Shop mit Kletterzubehör. Eine Hose finde ich nicht, aber der Verkäufer stellt sich als sehr nett heraus und erzählt uns gerne von den Gebieten in der Nähe. Wir kaufen ein paar lange Expressschlingen und lassen uns erzählen, was wir sonst noch allen brauchen könnten. Ein lohnender Besuch. Danach pilgern wir durch eines der schönsten Viertel der Stadt „Triana“ Richtung Camper.





Da wir auf dem Rückweg an den Museen für zeitgenössische Kunst und Keramik vorbeikommen und das Tor zu deren Innenhof offen steht, begeben wir uns auf einen kurzen Abstecher. Die Museen sind auf dem Areal einer ehemaliger Keramikmanufaktur, welche von hohen Mauern umgeben ist. Natürlich sind beide geschlossen, wie leider sehr viele Sehenswürdigkeiten in Andalusien, doch wir finden eine witzige Statue und nutzen die Leere für eine kurze Mandarinen-Pause. Zurück am Eingang bemerken wir, dass das Tor, anders als zuvor, geschlossen ist. Und wir schaffen es nicht, dieses zu öffnen. Wir suchen ein wenig, finden aber keinen Weg über die hohen Mauern und Niemanden im Areal. Kurz witzeln wir über mögliche Schlagzeilen „Touristen eingesperrt“, doch je länger wir vergeblich eine offene Tür suchen desto ernster wird die Situation. Kurz bevor wir Hilfe rufen wollen, finden wir auf der Rückseite ein Tor, das sich öffnen lässt. Wir sind frei! Zumindest fast. Dahinter befindet sich ein weiterer abgesperrter Park, wo wir zum Glück durch dessen Zaun hindurch schlüpfen können. So hatten wir doch noch etwas Abenteuer in Sevilla.



Als wir dann unseren Platz unter der Brücke sichten, freue ich mich zurück zu sein. Trotz der glücklichen Rückkehr machen wir uns sofort auf, in Richtung eines der Klettergebiete, die uns der „Bazar“-Besitzer empfohlen hatte: eine ehemalige Miene, wobei eine Stirnlampe wichtig wäre. Das tönt spannend, denken wir…

Ein Kommentar zu “Unter der Brücke”