Cerro del Hierro, Espiel und Nieselregen

PS: Es gab ein paar vergessene Bilder im letzten Blog…

Ein wenig enttäuscht über den Nieselregen der uns am Morgen schon wieder empfängt, entschliessen wir uns das Klettergebiet „Cerro del Hierro = Eisenberg“ ohne Seil im Gepäck zu besuchen. Dafür sind wir mit Regenjacken und Taschenlampen ausgestattet – das hat uns der Besitzer des Kletterladens in Sevilla dringend empfohlen. Ausserdem sollen wir wie Hänsel und Gretel die Wege markieren, es sei ein grosses Labyrinth…
Gespannt was uns erwarten wird machen wir uns also auf den Weg in die ehemalige Miene. Schon bald finden wir uns ein einer faszinierende Höhlenlandschaft wieder. Es bahnen sich Wege zwischen hohen Felsen durch, die auf verschiedenen Ebenen durch Tunnel miteinander verbunden sind. Ein offizieller Weg führt durch das Labyrinth und erklärt auf Tafeln wie es dazu kam. Der Weg ist gut, doch wir wollen mehr sehen und finden Trampelpfade die zu verschiedenen Klettersektoren und andere spannenden Orte führen. Auch diese befinden sich auf verschiedenen Ebenen. Geht man oben, sollte man auf Abgründe und Löcher im Boden achten: es gibt keine Geländer. In den tieferen Etagen finden wir dafür dunkle Tunnel die teilweise nicht fertig gebohrt wurden, durch einen See unpassierbar sind, oder von Fledermäusen bevölkert werden.

Entstanden ist diese Landschaft durch ein exzessiv betriebener Bergbau von der Römerzeit bis zur Mitte des 20ten Jahrhunderts. Was einst eine Buschlandschaft mit vereinzelten Felsblöcken gewesen sein muss, wurde durch den Abbau des eisenhaltigen Gesteins in ein wahres Labyrinth verwandelt. Die Schönheit dieser Landschaft entstand dann jedoch durch den Regen, der den verbliebenen, nicht eisenhaltigen, Kalkstein gewaschen und erodiert hat.
Auf unserer Erkundungstour bewundern wir die Schönheit des Ortes und sind uns nicht mehr ganz einig, ob der massive Eingriff des Menschen in die Natur gut oder schlecht war.

Aus der Zeit des Bergbaus findet sich vor dem Abbaugebiet noch ein kleines Minendorf aus zwei Häuserreihen. Für uns komplett unbegreiflich, dass es noch immer bewohnt ist, so ganz ohne Infrastruktur. Ausserdem stehen etwas abseits noch zwei grössere, mittlerweile verfallene Häuser, die zum Ende des 19ten Jahrhunderts von Schotten bewohnt wurden – den Ingenieuren und Minenmanagern. In den letzten Jahren wurde dann noch ein grosser Parkplatz etwas ausserhalb des Dorfes gebaut, auf dem unser Camper steht. Mit rot-verschlammten Schuhen und Hosen kehren wir zufrieden von unserer Erkundungstour zu ihm zurück.
Obwohl für die nächsten Tage kein Regen mehr angesagt ist, sind wir sind uns nicht sicher ob die Wände an diesem Ort ohne Sonne genug abtrocknen werden um daran zu klettern. Unsere Diskussion am Abend über stehen bleiben und abwarten, oder gleich weiterziehen wird abrupt von der Polizei beendet, die uns erklären, dass das Gebiet wegen Covid gesperrt ist.
Tja dann… zum Glück schicken sie uns erst nach diesem wunderbaren Tag weg!

So fahren wir weiter durch eine Landschaft, die kaum menschenleerer sein kann: eine kurvenreiche Strasse die auf und ab durch bewaldete Hügel führt. So gelangen wir auf eine Hochebene, die ausser riesigen leeren Agrarflächen und einzelnen Dörfern keine Struktur zu haben scheint, ausser einzelne Fördertürme von verlassenen Minen. Eine spannende Mischung: Bergbau ohne Berge. Die Dörfer sind karg und meist menschenleer. Wir sind uns einig: leider oft nicht schön.


Wir stoppen für die Nacht am Rande einer Kleinstadt, welche geprägt wird von einer gewaltigen, aber verfallenen Industrieruine. Wahrscheinlich ehemals das Ziel der Bergwerke. Die paar Einwohner haben uns als bald gesehen und wir sind wohl das Gespräch des Ortes. Trotzdem können wir unbehelligt bis zum Morgen stehen und wechseln dann auf einen kleinen, herzlich geführten Campingplatz in einem Garten. Dort stehen wir während Bashos 2 Arbeitstage und können so gut den Nieselregen aushalten. Doch dann wollen wir weiter in ein nahe gelegenes Klettergebiet.

In Espiel angekommen empfängt uns die Sonne und regelrecht heisse Temperaturen. So Klettern wir ein wenig und geniessen den Nachmittag ohne Klettern: Basho hält einen Vortrag und Cécile kann endlich ihre Hängematte aufspannen: Unter blühenden Mandelbäumen in der Sonne. So lässt es leben und wir freuen uns auf ein paar Tage an diesem Ort.

Leider macht uns am nächsten Morgen wieder der Nieselregen einen Strich durch die Rechnung, und so entschliessen wir, diesmal nicht von der Polizei vertrieben: auf in den Norden: das Meteo verspricht sonnige 20°C und unser Wunschziel ein weiteres Bijou. Also geht es quer durch ein Kastillien-La-Mancha, Don Quijotes Heimat, in dem wir mehr Wind wie Menschen treffen, auf schnurgeraden, leeren Autobahnen Richtung Valencia.

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