Im März wollen wir in der Schweiz sein, was ein Grund ist immer weiter in den Norden zu fahren. Aber auch das Wetter treibt uns immer weiter. Ein grauer Tag in Montanejos spült uns zurück an die Küste. „Castellón de la Plana“ heisst unser neuer Ort. Neben einem Müllhaufen bestehend aus kaputtem WC, Tischplatte, Farbkübel und anderem Schutt stellen wir unseren Camper ab und sind zwei Tage dort am klettern. Auf den ersten Blick gefällt uns dieses Gebiet nicht sonderlich – vom Klettergebiet blickt man auf ein Vorläufer einer Stadt, beschallt von permanentem Hundegebell. Aaber es ist warm – kurze Hosen-Wetter! Und die Kletterei stellt sich trotz relativ kleinem Gebiet und Basho’s erster Skepsis gegenüber der Felsqualität als überraschend gut heraus.



Die Vorfreude auf den Sommer ist geweckt! Doch zuerst geht es weiter Richtung Norden…



Nach einem langen Fahr-Tag landen wir in Solius – nördlich von Barcelona. Philipp und Nora waren vor ein paar Monaten da (unglaublich wie die Zeit vergeht!) und fanden es klasse. Dementsprechend hofften wir auf ein paar gute Kletterstunden.
Wieder einmal haben wir ein wunderschönes Gebiet gefunden. Grosse, einzelne Felsbrocken stehen hier im Wald. An den Wandfüssen oftmals ebene Plätze mit Sandböden. Zwischen den vielen „flachen“ Wänden mit einfachen Routen finden wir einen Sektor der ganz gut zu unseren Wünschen passen. Der Fels hat eine raue, messerscharfe Oberfläche, was auf längere Zeit nicht nur der Haut massiv zusetzen wird, sondern auch dem Seil schadet. Deshalb gar nicht so schlecht, bleiben wir nicht so lange. Der Tag ist grau und ohne Sonne ist die feuchte Luft sehr unangenehm, weshalb ich schon nach wenigen Routen die Lust verliere. Ich bin mir sicher, bei schönerem Wetter wären wir etwas länger geblieben. Und sollte ich mal ein geeignetes Klettergebiet fürs Klettern mit Kindern brauchen, werde ich daran denken!


Zwei Arbeitstage verbringen wir in Castell-Platja d’Aro, auf einem kleinen Campingplatz wo uns eine Steckdose einen warmen Camper, warmes Wasser und genug Strom für den Laptop beschert, was für unsere Solarzelle eine schwierige Aufgabe werden würde. Und dann wird es doch noch schön und am zweiten Tag verbringe ich einen Grossteil der Zeit draussen am basteln und versuche mich in Yoga, angeleitet von Domi aus Bern. Auf einem Spaziergang an die Küste und durch die Stadt bis zum Marktplatz erkunden wir schlussendlich unsere Gegend. Im Gegensatz zu vielen Küstenorten scheint der Tourismus hier nicht die überhand zu nehmen. Die Steinküsten sind allesamt naturbelassen und wunderschön einsam und auch sonst scheint es nicht der Ort für den oftmals verbreiteten „Sauf-Tourismus“. Bestimmt ein besonderer Ort zum Baden im Sommer!






Unsere letzte Station in Spanien ist l’Escala. Hierher kommen wir für eine Trad-MSL-Route über dem Meer. Wie es so oft der Fall ist, liegt auch dieses Klettergebiet landschaftlich sehr schön. Unser neuer Schlafplatz liegt oberhalb der Routen, also oberhalb einer Steilküste mit phantastischem Blick aufs Meer. Wie wir es von Spanien auch schon gut kennen, hat auch dieser Ort einst dem Militär gehört. Rings um uns und auch unter dem Camper führen mannshohe Gänge durch den Boden. Zwei grosse kreisrunde Einlassungen im Boden lässt ein ehemaliger Standort für Kanonen vermuten.

Davon ist nichts mehr übrig, den Platz teilen wir uns einzig mit einem Obdachlosen der in einem der Bunker haust. Als wir das bemerken, bereuen wir es kein Nachtessen übrig zu haben. Beide haben wir ein Bedürfnis ihm in dieser kalten Nacht wenigstens eine warme Mahlzeit schenken zu können. Also Basho ihn jedoch in seinem Tunnel aufsucht um ihm das Angebot machen, für ihn ein paar Teigwaren zu kochen, findet er ihn auf dem Boden schlafend vor. An diesem Abend diskutieren wir lange über die Obdachlosigkeit und über unsere Wünsche „wie die Gesellschaft mit dem Thema umgehen sollte“. Als wir am nächsten Morgen nach ihm schauen, ist er verschwunden. Obwohl es nur eine sehr kurze Begegnung war, denke ich noch Tage später an den Mann und an Bashos Kommentaren merke ich, dass es ihm ebenso ergeht.

Der Tag beginnt mit wunderschönem Wetter, so dass wir draussen in der Sonne Morgenessen können. Den Plan mit der Trad-Route über dem Meer verwerfen wir aber trotzdem wieder. Die Routen sind zwar mitnichten Trad, sondern mit vielen Klebehaken versehen, dafür haben sie selten Stände oben. Ein Abseilen wäre somit abenteuerlich und ohne genaues Topo könnte das dumm enden. Es sieht ausserdem eher brüchig aus und sehr steil – so steil, dass wir nur knapp die oberste Länge sehen. Wir entscheiden uns defensiv und fahren in einen nahegelegenen Klettergarten.



Da Spanien aktuell auf der BAG-Liste der Risikoländer steht, entscheiden wir uns gegen die Quarantäne und für Italien. So verabschieden wir uns schweren Herzens von Spanien, von gutem Wein, von Kletterern mit ihren Hunden, von mittlerweile blühenden Mandel-Plantagen, von einer Sprache die wir immer besser verstehen, von der Wärme und einem auch sonst sehr gastfreundlichen Land.

Adios España – ¡que hermoso país!