Deutschland, im Netz der Kaminskys

Seit dem 23 April sind wir in Deutschland.
Nach einem Stopp in Ulm bei einem alten Bekannten von Bashos Familie, wo ein Nachmittag lang über Aminosäuren, Statistik, Neandertaler, die menschliche Sprache usw. diskutiert wurde, war unsere erste Station Bayreuth.

In Bayreuth wohnt Bashos Bruder Per, an einer für uns interessanten Lage zwischen dem Frankenjura und dem Fichtelgebirge. Bei und mit ihm konnten wir einige Tage verbringen. Das Highlight war ein Klettertag zu dritt an den Felsen der Rudolfstein-Gruppe – ein sehr hübscher Fleck Deutschland. Einzelne Felstürme stehen da im Wald und warten darauf erklommen zu werden.

Für Per war es das erste Mal draussen klettern und das erste Mal abseilen. Für uns war es die erste Konfrontation mit den deutschen Kletterregeln. In Deutschland gibt es ganz strickte Anweisungen wo und wie du klettern darfst (Dreizonenkonzept). Es sollte sich noch herausstellen, dass da noch einige weitere Einschränkungen existieren.

Die restlichen Tage bei Per haben wir gemeinsam gefrühstückt und am Abend gemeinsam gekocht und Spiele gemacht, Musik gehört oder Film geschaut, über alles Mögliche gesprochen und eine gute Zeit verbracht. Schön wars!

Vom Bruder ging es weiter zur Grossmutter. Mit Oma Renate spazieren wir durch Reichenbach und entdecken neue Wege in den angrenzenden Feldern. In der Küche können wir fürs gemeinsame Nachtessen nicht gross helfen, um nicht im Weg zu stehen setzten wir uns besser an den Tisch und wartet bis das Essen serviert wird ;-). Als sich Basho dann an seinem letzten Arbeitstag bei Amanox für ein Online-Apéro ins Wohnzimmer verabschiedet, krempeln wir Frauen die Ärmel hoch und machen uns ans Umräumen. Wie könnten man in der kleinen Küche mehr Raum schaffen? Durch meine ausgesprochenen Gedanken sieht sich Renate ermutigt ihre Küche auf den Kopf zu stellen. Schöne grosse Dekogläser und ein Wassersprudler wandern weg und dafür findet sich neu ein zweckmässiger Arbeitsplatz zum kochen. Motiviert durch die Veränderung stellt Renate noch den Tisch um, wodurch viel Platz und eine ganz andere Atmosphäre geschaffen wird. Wenn wir das nächste Mal zu Besuch kommen, könnten wir gemeinsam kochen!

Auch in Reichenbach wohnen Onkel Detlef mit seiner Frau Sabine. Bei ihnen verbringen wir weitere schöne Tage. So langsam werden wir zu echten Spaziergängern, denn das Vogtland hat schöne Landschaften zu bieten. Der kurze Spaziergang vom Wohnort aus zu der Göltzschtalbrücke, dehnt sich über schöne Wege in ein füllendes Nachmittagsprogramm. Die Göltzschtalbrücke ist die grösste Ziegelsteinbrücke der Welt und wurde mit ihren 98 Bögen zum Wahrzeichen des Vogtlandes.
Sie wurde 1846 – 1851 errichtet und hat eine kleine Schwester die zeitgleich erbaut wurde – die Elstertalbrücke. Beide Brücken sind für die Eisenbahn geschaffen worden, die Elstertalbrücke kann man jedoch auf einem Zwischengeschoss überqueren und das machen wir auch. Auf einem weiteren grossen Spaziergang mit Detlef und Sabine besichtigen wir das Kunstwerk aus 12 Millionen Ziegelsteinen und gehen dann in einem grosszügigen Tempo entlang der „weissen Elster“. Als wir Sabine auf ihr Tempo ansprechen, meint sie zu zweit wären sie nie so schnell, sie würde nur unseretwegen so schnell gehen. Und so marschieren wir weiter durch einen schönen Wald und hoch zum Aussichtsturm der Naturfreunde, sehen von weitem die grosse Staumauer, sehen schöne Bäume und entkommen gerade so dem Regen der sich netterweise für ein paar Stunden verabschiedet hat. Danach geht es wieder durch das romantische Triebtal zurück zur Sonne, Brücke und zum Auto.

Unterwegs nach Leulitz lerne ich noch Grossonkel Wolfgang und seine Frau Sabine kennen. Auch da werden wir gemeinsam mit Renate herzlich willkommen geheissen und mit Kaffee und Kuchen versorgt, bestaunen die vielen Motorräder, unterhalten und übers Reisen und Reiseziele. Wir würden auch länger bleiben, haben uns aber schon bei Basho’s Eltern angekündigt. Jan und Kerstin werden unser vorerst letzter Familien-Stopp sein.
Unser Weg zu ihnen führt uns durch weite Ebenen mit Rapsfeldern, Wälder und Wiesen. Weil alles so unglaublich flach ist, sehen wir einen wunderschönen Sonnenuntergang und begraben unsere Bedenken bezüglich klettern in diesem flachen Stück Deutschlands. Und dies zu Recht – in Fahrraddistanz gibt es einen netten Steinbruch zum klettern und etwas weiter ein ganzes „Gebirge“, die Hohburger Schweiz, bestehend aus mehreren Steinbrüchen wo geklettert werden kann. Wir sind überrascht ob der guten Qualität des Felsens und der Vielseitigkeit der Kletterei – die zwei heissesten Tage im Mai verbringen wir schwitzend am Fels und wünschen uns etwas Wind. Als Jan an einem OL-Trainingslauf nähe Halle teilnimmt, gehen wir mit und lernen dort noch den Fels am Riveufer kennen. Auch wenn dieser Fels nicht ganz so fest überzeugt wie die Hohburger Berge, lässt es sich gut verweilen und mal ehrlich, welche Stadt hat schon ihren Klettergarten direkt in der Stadt (inklusive Imbiss mit Bratwurst, Mineral und Glace 50 m vom Fels entfernt)?
An einem anderen Tag ist Regen angesagt und wir verlassen im Moment des grössten Niederschlags das Haus um nach Leipzig zu gehen. Leipzig wird eine wahnsinnig lebenswerte Stadt sein – sie bietet so viel Grünfläche wie selten eine Stadt. Wir spazieren durch den Johannapark, den Clara-Zetkin-Park, den Palmengarten, den Stadtgarten Lindenau und treffen uns dann mit Basho’s Cousine Karo um durch die Innenstadt zu bummeln und später durch den Rosental-Park zum Rand des Leipziger Zoos zu gehen. Die städtische Seite der Stadt ist leider durch Corona etwas leer und Karo, die seit letztem Sommer hier wohnt kann uns nicht so viel über das Studentenleben in Leipzig erzählen. So erzählt Basho von seiner Zeit in Leipzig und wir finden dann dank Karo doch noch ein Kaffeehaus wo wir Kaffee und besten Chai Tee bekommen – zum draussen trinken natürlich. Da kommt es uns ganz gelegen, dass es das Wetter sehr wohl meint mit uns und der Regen der Sonne platz gemacht hat!

Durch die Gespräche mit den vielen Familienmitgliedern merke ich, wie stark vernetzt die alle sind. Fast nie muss ich mich vorstellen, man weiss wie ich heisse, was ich arbeite usw. Vermutlich sind die meisten Familienmitglieder aber auch Leser dieses Blogs?!
Neben der Familie treffen wir noch Freunde von Basho. Wir verabreden uns zum Grillen mit ihnen, deren Frauen und den (auch für Basho noch neuen) Kindern. So vergehen in gemütlicher Runde zwei schöne Tage.
Es ist schön so viele gute Seelen kennenzulernen! Doch muss ich ehrlich sein, ist es auch etwas anstrengend, muss ich mich doch immer von der besten Seite zeigen ;-).

Deshalb freue ich mich nun auch wieder auf die anstehende Zweisamkeit in unserer Wohnung auf Rädern. Nächster Halt Sächsische Schweiz!

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