Gothem-City oder Gothenburg

Nach Kullaberg stand Gothenburg und die städtischen Klettergebiete auf unserer Wunschliste.

Auf dem Weg dahin haben wir einen Abstecher auf einen riesigen Campingplatz zum Waschen und Schaffen gemacht und dann haben wir noch einen Tag zum Schaffen am Meer verbracht. Mein halber Bürotag am Meer fand so in wunderschöner Umgebung statt: Umgeben von Schären die flach ins Meer führen, ein Bade-Sandstrand und Strandrosen. Am Ende sind wir noch durch das nahegelegene Dorf zum Einkaufen spaziert, vorbei an der Dorfbadestelle, Strand-Gelateria mit Live-Country-Musik und durchs Dorf mit perfekt gestutzten Rasen (überall, auch unter den Büschen!). So waren wir entspannt ready für die Grossstadt.

Götheburg hat eine unglaublich hohe Dichte an Klettergebieten auf dem Stadtgebiet. So etwas kenne ich sonst von keiner Stadt. Auch sonst ist die umgebende Natur sehr schön. Für mich wirklich eindrücklich waren aber die ganzen Felsen in der Stadt und in direkter Umgebung. Eine tolle Kombination: Stadt mit vielen Flüssen und Kanälen, Felsen und Meer.

Leider wurde die Freude sehr schnell wieder getrübt, als wir bei der Mittagspause im Schatten bei gefühlten 30°C versuchten herauszufinden, wo wir Nachts stehen könnten:
Aus Götheburg wurde Gothem-City. Scheinbar werden systematisch Camper und Touristen-Autos ausgeräumt und die lokale Polizei scheint machtlos zu sein. Diese Recherche führte dann zum Abbruch der Kletterübung, da wir keine Lust hatten den Camper so lange unbeaufsichtigt zu lassen. Ziemlich entnervt haben wir das umgebende Quartier kritisch beäugt und immerhin keine Spuren irgendeiner dubiosen Nachbarschaft oder dergleichen entdeckt. Im Gegensatz, lauter Schilder die auf eine “Neighbourhood-Watch” hindeuteten. Nach ein wenig umparken im Quartier waren wir wieder überzeugt, dass es nun Gut wäre für den Rest des Tages. Die Freude am Klettern hatte trotzdem sehr gelitten und so sind dann noch ein wenig durch Gebiet spaziert, recht planlos wo wir übernachten könnten: scheinbar werden sogar auf Stellplätzen, extrem teuren Campingplätzen und erst recht auf normalen Parkplätzen die Fahrzeuge im grossen Stil aufgebrochen. Cécile hatte vorgeschlagen im Quartier stehen zu bleiben und ich wäre einfach gefahren. Im Wohnquartier unauffällig zu stehen, ohne zu wissen, wie es die Anwohner finden ist nahezu unmöglich und blöd (sich im Camper bei 26°C und Sonne verstecken: Schweisstreibend). Nach etwas diskutieren entscheide ich, dass wir zu einem Schulgelände am Waldrand im Quartier fahren, in der Hoffnung dort zum einen “bewacht” von der Neighbourhood-Watch und zum anderen halbwegs unbeobachtet zu stehen. Leider sind wir erstmal nicht allein: eine Gruppe Jungendliche findet sich auch noch ein. Allerdings sind sie viel ruhiger als die Migrantengruppe am See. So finden wir irgendwann todmüde doch noch Schlaf und verbringen eine ruhige Nacht.

Blick von unserem Parkplatz-Quartier zu einem der Klettergebiete, da würde jeder Kletterer wohnen wollen.

Die spannende Diskussion bleibt: wie lang können wir auf dem Schulparkplatz stehen, ohne dass es jemand stört? Wir entscheiden uns immer wieder speditiv neu und bleiben am Ende 2 Nächte, fast 3 Tage dort, ohne schlechte Erfahrung oder irgendeinen negativen Punkt: WLAN gibt’s auch noch und am Abend Töfflibuben die sich in Kunststücken mit ihren Maschinen versuchen.

Blick vom Utby Berg Richtung Stadt

Eine Stadtbesichtigung am nächsten Tag zeigt: Auch sonst scheint uns Gothenburg wohlgesinnt zu sein: schönstes Wetter und keine Spur der Kriminalität. Die Stadt hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck: zum einen eine schöne Natur, scheinbar viel Kultur (Theater, Museen, etc.), schöne Pärke in denen zum Beispiel Country-Musik-Jamsessions stattfinden und zum anderen scheint die Stadt zu gross zu sein, immer mal wieder wirkt sie wie ausgestorben.

Wir erkoren dann die öV Nutzung zu unserem Highlight: mit der Fähre geht es von einem Quartier zum anderen. Das Ziel, das Trend- und Alternativquartier Majorna wirkt im internationalen Vergleich eher verschlafen. Wahrscheinlich ist Schweden einfach so ruhig und gemütlich 😉 . Ansonsten frage ich mich noch nach der Tramfahrt, wie wohl meine italienischen Bekannten den öV gefunden hätten: es ist wirklich sehr still, ich glaube ein Büro ist ähnlich laut und wild 😉 .

Am Ende des Tages bleiben wir, wie bereits erwähnt, noch mal vor der Schule um am nächsten Tag noch mal Klettern zu gehen. Das machen wir dann auch, es gibt unglaublich viele tolle Wände, Routen und verschiedene Felsen und Möglichkeiten: wirklich toll für eine Stadt. Leider bringt ein Sommergewitter unsere Freude am Fels jäh zum Ende. Während wir schnellstmöglich unsere Sachen vor dem Regen in Sicherheit bringen, beenden zwei Schweden neben uns in aller Ruhe ihre Route und packen zusammen als ob es keinen Regen gäbe. Schweden haben scheinbar ein spezielles Verhältnis zum Regen. So brechen wir auf, Richtung Väternsee…

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