Fertig Arbeit, fertig Regen. Leider steht erst mal wieder eine längere Fahrzeit an. Auf dem Weg Richtung Uskedal besuchen wir in Sand eines der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Region – das erstgebaute Laksestudio Norwegens. Wegen einem Wasserkraftwerk wurde 1960 eine Fischtreppe gebaut. Durch eine Glasscheibe kann aus einem kleinen Häuschen eine der Treppenstufen beobachtet werden. Für je 40 Kronen kriegen wir eine Privatführung. Die Lachse sind zu diesem Zeitpunkt leider woanders (bis auf zwei oder drei, die nur Basho gesehen hat), dafür bekommen wir durch das Gespräch mit der Studentin einen kleinen Eindruck vom Leben auf dem Land. Ob sie nach dem Studium in Bergen hierher zurückkehre, hänge davon ab ob ihre 5 Freunde hier (alle Gleichaltrigen des Dorfes) auch zurückkehren.




Ausserdem fahren wir einmal mehr durch eine sehr hübsche Landschaft mit Wasserfällen und Blick auf den grössten Gletscher den wir je gesehen haben.








Uskedal wird als «das Yosemite von Norwegen» gehandelt. Schon von der Strasse schaut die grosse Felswand wunderschön aus. Zwar scheint es eher plattig, aber es gibt durchaus auch steilere Bereiche. Da die Orientierung in einem Trad-Gebiet ohne Topo quasi unmöglich ist und dieser Berg hier durchaus als alpin zu bewerten ist, entbrennt eine Diskussion über die Machbarkeit. Weg vom Meer, zwischen den Bergen hängen ausserdem die Wolken. Es handelt sich hier um meist sehr lange (12 Längen oder mehr) Routen, komplett Trad und ohne die Möglichkeit wieder abzuseilen, Basho ist sehr skeptisch und hält das Vorhaben für unverantwortlich. Ich habe jedoch gesehen, dass es auch 2-3 kürzere Routen gibt, die zwar nicht geboltet sind, aber man nach 3 Längen auf einem Band zu einer Abseilstelle queren kann. Als ich dann drei Jungs die in der Nähe zelten nach einem Topo frage, wird das Unterfangen schon weniger gefährlich und vielleicht sogar machbar.


Am nächsten Morgen: Wir packen die Rucksäcke und ziehen los. Der Zustieg bringt wieder einmal nasse Füsse, diesmal nicht wegen einem Moor (obwohl wir auch hier von Stein zu Stein gehen um nicht in nasses Moos zu stehen) sondern weil wir einen Bach durchqueren müssen.
Es hat unerwartet viele Seilschaften in der Wand, die Bewölkung scheint niemanden zu beunruhigen. In der auserwählten Route ist schon eine 3er-Seilschaft drin, gerade erst gestartet. So suchen wir nach einer Alternative – es gibt da noch zwei weitere Kandidaten… nur wo sind die den? Auch mit Topo stellt sich die Suche nach den Einstiegen als nicht ganz so trivial heraus. Als wir dann davor stehen, bemerken wir, dass der Riss nass und glitschig ist. Nach weiterem Gesuche finden wir dann eine akzeptable Linie und Basho steigt in die erste Länge ein…
Es scheint wohl nicht unser Tag zu sein – schon nach einigen Metern wird die Absicherbarkeit deutlich schwerer, resp. unmöglich für eine Weile. Wir sind beide schon genügend demotiviert und beschliessen das Klettern für heute gut sein zu lassen.
Wir beschliessen den Berg ohne Seil zu besuchen und wandern etwas weiter in eine unglaublich schöne Steinwelt wo wir noch einige anspruchsvolle, schöne Projekte entdecken… für ein anderes Mal.






Nach dem mässigem Klettererlebnis in Uskedal suchen wir uns wieder etwas kleinere Wände. Über Landstrassen und einen Abschnitt mir der Fähre gelangen wir nach Bergen. Die Stadt selbst interessiert uns wenig, dafür sind die Möglichkeiten zum Klettern hier schon beachtlich. Wir entscheiden uns für das Gebiet «Tellnes, Trollveggen», grösstenteils naturbelassen (abgesehen von einzelnen eingerichteten Abseilstellen), 3-4 Seillängen, unglaublich schöne Landschaft mitten im Moorgebiet. Von einem Einheimischen bekommen wir gute Tipps für schöne Linien und geniessen 2 Tage lang echt gute Trad-Kletterei!







Den letzten Tag vor der Arbeit verbringen wir in «Syltoy», diesmal zum Sportklettern. Für den Zustieg an die Felswand direkt am Fjord brauchen wir ganze 30 s – 1 min. Die Kletterei ist teils kräftig, teils technisch, die Absicherung perfekt. Wunderbar zum Ausgleich der Tradkletterei und genau das Richtige um in schwere Routen einzusteigen. Schade bleibt es bei dem einen Tag!




