Nachdem immer wieder Fragen kommen über einzelne Begriffe, möchte ich die Nicht-Kletterer unter euch etwas aufklären.
Bouldern
Ist klettern ohne Seil in Absprunghöhe. Gesichert wird dabei durch spotten der Kollegen und die Landung erfolgt auf einem Crashpad.

Klettergarten
Ein Klettergarten ist ein Ort wo Kletterrouten nebeneinander eingebohrt wurden. Das heisst es wurden einzelne Haken in eine Felswand eingebohrt, oder geklebt. Wir sprechen da von Bohrhaken, Klebehaken, Spits, oder Bolts. Um diese als Sicherung zu verwenden wird ein sogenanntes Express benötigt, um das Seil einzuhängen.
Am Ende der Route gibt es einen Stand. Das ist in der Regel ein Gebilde von zwei Bohrhaken die miteinander verbunden sind. Teilweise sind es auch nur zwei Haken mit runden Abseilringen oder wie in der Kletterhalle üblich eine Kette mit einem Karabiner daran.

Bohrhaken 
Klebehaken mit Express 
Stand
Vorstieg- Klettern
Klettern im Vorstieg bezeichnet das Klettern als Erster. Der Kletterer hat ein Seilende bei sich am Klettergurt festgebunden und wird durch den Seilpartner gesichert. Dafür gibt es verschiedene Geräte, die ich hier nicht alle erklären möchte. Wir nutzen den Tuber oder den ATC-Pilot. Mit diesen kann der Sicherer kontrolliert Seil ausgeben, damit der Kletterer höher klettern kann, oder das Seil bei einem Sturz abbremsen.

Selbst-mitgebrachte Expressen hängt der Kletterer, dann in die Bohrhaken ein und am anderen Ende das Seil – wir nennen diesen Vorgang klippen. In einem Klettergarten haben die Bohrhaken in der Regel einen Abstand von 1.5m bis zu 3m. Der Kletterer klettert so von Haken zu haken und oben angekommen wird das Seil durch den Abseilring geschlauft. Der Kletterer hockt sich in den Klettergurt und der Sicherer lässt ihn langsam ab. Auf dem Weg nach unten sammelt der Kletterer alle Expressen wieder ein und unten angekommen kann das Seil abgezogen werden.
Mehrseillängen
Mehrseillängen (=MSL) befinden sich in der Regel nicht in Klettergärten, sondern eher im alpinen Raum an hohen Felsen. Es wird von Stand zu Stand geklettert. Die Seilschaft, bestehend aus meistens zwei Personen, macht sich je an einem Ende des Seiles fest. Für MSL verwenden wir in der Regel Halbseile, zwei Seile die Parallel geführt werden – ich werde hier jedoch nicht näher darauf eingehen. Kletterer A geht im Vorstieg bis zum ersten Stand. Dort macht er sich fest und gibt Person B das Zeichen, dass diese nicht weiter sichern muss. Danach sichert A von oben, während B im Nachstieg (=das Seil kommt von oben)auch zum ersten Stand klettert. Wenn beide beim ersten Stand sind, muss A die Sicherung für den Vorstieg anpassen bevor Person B bis zum zweiten Stand weiterklettern kann. Usw. So können beliebig viele Seillängen aneinander gehängt werden.
Zurück auf den Boden kommt man entweder durch Abseilen oder durch herunter laufen. Oft ist eine Felswand nur auf einer Seite steil, während auf der anderen Seite ein Wanderweg oder ein Pfad hoch resp. runter führt.

im Nachstieg auf einer MSL 
am Abseilen
Trad Klettern
Trad kommt von Traditional. Es bezeichnet das Klettern ohne Vorhandensein von Bohr- oder Klebehaken. Ein anderer Name dafür ist Clean-Climbing. Dafür braucht man eine Ausrüstung an mobilen Sicherungsgeräten wie Friends, Keile, Hexentrics, Schlaghaken oder anderem. Anstelle von klippen von bestehenden Haken muss der Kletterer selbst einen Fixpunkt in den Fels bringen. Der Nachsteiger baut danach alles wieder aus und am Fels bleiben keine weiteren Spuren bestehen.

Hexentric 
Hexentric 
Keil 
Friend 
Friend, belastet 
Friend, belastet 
Bashos Sortiment an mobilem Sicherungsmaterial
Topos
Es gibt Topos, eine Skizze der Route, von den allermeisten Klettergebieten, auch, wenn nur Trad geklettert wird. Oft sind in Trad-Routen die Stände gebohrt. Teilweise gibt es auch einzelne Haken in der Wand die vor allem als Wegweiser fungieren, oder in Kletterstellen angebracht sind wo eine mobile Absicherung schwierig ist.

gezeichnetes Topo, Klettergarten 
gezeichnetes Topo, Klettergarten 
Foto, MSL
Ist klettern gefährlich?
Klettern ist an und für sich nicht gefährlicher als andere Sportarten. Es kommt auf das Abenteuer und die Vorbereitung darauf an. Sehr sicher kann man sich in der Kletterhalle bewegen. Hier zählt vor allem, dass du einen Kletterpartner hast, dem du vertrauen kannst. Wenn er gut sichert und ihr vorher gecheckt habt, dass alles gut vorbereitet ist, kann fast nichts mehr schief gehen. Am Fels kommen noch weitere Faktoren wie bsp. Steinschlag dazu, wofür ein Helm ganz nützlich ist. Und je alpiner das Abenteuer, desto mehr Erfahrung sollte man mitbringen. Wo man in Klettergärten problemlos in Routen einsteigen kann, die über dem Können sind, sollte man sich in ernsthaftem alpinen Gelände schon bewusst sein, auf was man sich einlässt und dem Vorhaben gewachsen sein.
Basho sagt dazu: Autofahren ist auch gefährlich
Ein Kommentar zu “Klettern für Nicht-Kletterer”